Von Igoumenitsa zurück nach Deutschland

6. Dezember

Nachts um 1 Uhr fahren wir mit Biene auf die Fähre nach Ancona. Die Fahrt dauert fünfzehn Stunden, und da man im Winterhalbjahr kein Camping on Board buchen kann, suchen wir uns im Schlafbereich einen sehr ruhigen, allerdings nicht bequemen Schlafsessel. Für die wenigen Stunden reicht das aus, und den Rest des Folgetages verbringen wir überwiegend im Heck des Schiffes mit Blick aufs Meer.

Von Ancona aus setzen wir die Rückreise nur noch etwa 50 Kilometer, bis Mondolfo, fort, dann wird es dunkel und Zeit für ein Nachtquartier. Am nächsten Tag fahren die LKWs und auch viele Wohnmobile dicht gedrängt mit uns auf der Autobahn Richtung Norden. Der Fahrstil vieler Autofahrer führt zu mehreren Unfällen auf der Strecke, und schließlich sind die 80 Kilometer entlang des Gardasees eine einzige Staustrecke. Zu spät begreifen wir ziemlich gestresst, dass der morgige Donnerstag in Italien ein Feiertag ist und die Italiener diesen für ein langes Wochenende nutzen. Ein ähnliches Erlebnis hatten wir doch schon einmal auf der letztjährigen Rückfahrt am Gardasee!?

Nach nur 300 Kilometern in acht Stunden essen wir eine der besten Pizze und übernachten bei Tramin an der Weinstraße in Nähe des Kalterer Sees. Ja, kalt ist es hier! Am Morgen erwachen wir bei klarem, sonnigem Himmel und minus 7 Grad.

Am 8. Dezember geht es weiter durch das Etschtal, über den glücklicherweise noch gut zu befahrenden Reschenpass und den Fernpass. Das Wetter ist kalt und sonnig, ideal, um eine möglichst weite Strecke zu fahren. Am Reschensee legen wir eine Lauf- und Esspause ein, doch dann fahren wir an diesem Tag noch bis Illertissen kurz vor Ulm.

bei Imst
Zugspitzblick

Jetzt zieht es uns nach Hause, und am Nachmittag des 9. Dezember sind wir zurück.

Es war eine Reise mit vielen tollen Eindrücken und noch viel mehr Sonne und Wärme, als wir uns erhofft hatten. Nun finden wir erst einmal zurück in den Alltag und in die Kälte – allerdings nicht für lange, denn im Februar wollen wir wieder losfahren. Bis dahin!

Vom Peloponnes am Golf von Korinth entlang und durch Westgriechenland nach Korfu

23. November

Von Methana fahren wir an der Küste des Saronischen Golfs entlang nach Norden. Bei Korinth überqueren wir den Kanal von Korinth bei besserem Wetter als im letzten Jahr. Heute fahren hier auch zwei kleine Schiffe!

Wieder auf dem Festland, wollen wir Neues erkunden und fahren über Loutraki am Korinthischen Golf entlang, nach Perahora und an die Nordküste dieses Zipfels, der in Attika mündet. Loutraki ist ein ziemlich scheußlicher Touristenort mit heruntergekommenen Hotels und voller Fahrzeuge. Danach wird es immer einsamer, bis schließlich bei Paralia Shinou die Asphaltstraße als Schotterweg weitergeht.

Auch als dieser Weg nach etlichen Kilometern wieder in eine asphaltierte Straße übergeht, ist diese aufgrund von Unterspülungen und Fels- und Lehmabgängen infolge von Unwettern in großen Teilen zerstört und nicht besser befahrbar als die Schotterstrecke. Zudem hat es hier vor kürzerer Zeit gebrannt, die Gerippe  der Bäume und Sträucher begleiten uns einige Kilometer. Natürlich geht es auch hier wieder hinauf und herunter, und die Ausblicke sind wunderbar!

Nach etlichen Stunden Fahrt für eine Strecke von etwa 80 Kilometern kommen wir auf die Bundesstraße E962, auf der es nun wieder zügig voran geht Richtung Thieva. Der Fahrer eines uralten Lieferwagens überholt uns und fährt eine Weile neben uns her, macht Zeichen, lacht und ruft schließlich aus dem geöffneten Beifahrerfenster: „You habe a nice car!“. Immer freundlich, die Griechen!

Durch eine weite Ebene mit Kleinindustrie und Feldern fahren wir nach Westen. Hinter Aliartos bei dem kleinen Dorf Petra finden wir einen sehr ruhigen Übernachtungsplatz in den ersten Ausläufern des Küstengebirges. Das  Parnassos-Gebirge sehen wir rechts vor uns liegen, die höchsten Berge haben leichte Schneekuppen. Es wird kälter – und niederschlagsreicher!

Arachova

Am 24. November setzen wir die Fahrt bei Sonnenschein fort, an mehreren Schi- Zentren vorbei, zunächst bis zur Stadt Arachova, etwa zehn Kilometer vor Delfi, auf einer Höhe von etwa 900m gelegen. Ein Stadtrundgang begeistert uns: Die Lage erinnert an Langardia, allerdings ist dies ein touristischer Wintersportort – momentan noch ohne Schnee. Die zwei- bis vierstöckigen, traditionell gebauten Häuser stapeln sich über- und hintereinander am Hang. Eine Treppe führt bis zur oberen Kirche. In der Hauptstraße werden winterliche Accessoires angeboten – von moonboots über Handschuhe und Fellmützen. Der Winter naht!

Eigentlich wollte ich mir die archäologischen Ausgrabungen in Delfi anschauen, doch die Parkplätze rundum sind selbst jetzt im November so überfüllt, dass wir schließlich unverrichteter Dinge weiterfahren. Die Idee, auf einem der näher gelegenen Campingplätze einzukehren und von dort aus zu radeln ist schnell verworfen, da alle umliegenden Campingplätze geschlossen haben. Schließlich übernachten wir mit Erlaubnis des Besitzers bei Kirra in der Einfahrt zu einem Campingplatz am Meer.

Vor einem Campingplatz in Kirra

Nachmittags laufe ich den mit Bachläufen durchsetzten, grasig-lehmigen Strand entlang bis Kirra- Dorf und staune, wie heruntergekommen, dreckig und lieblos ein touristisches Dorf in der Nebensaison aussehen kann. Lediglich die Strandabschnitte, bei denen die Gärten der anliegenden Hütten bis an die Wasserkante hinausgehen, sind liebevoller gestaltet. Ein Durchgang bleibt, wie überall in Griechenland, für die Allgemeinheit geöffnet.

Entgegen der Annahme, an einem ruhigen Ort zu stehen, stellt sich in der Nacht die etwas oberhalb verlaufende Straße als Durchgangsstraße für Schwerlastverkehr heraus. Die LKWs donnern die halbe Nacht durch unsere Köpfe. Übermüdet fahren wir am nächsten Morgen früh einige Kilometer mit Biene weiter bis an eine Bergstraße bei Galaxidi und vertreiben den dicken Kopf bei einer Radtour über gut ausgebaute Straßen in die ruhigen, friedlichen, kaum von Autos befahrenen Bergregionen.

Bucht bei Galaxidi
Bucht bei Galaxidi

Nach dem Fahrradausflug geht es noch einige Kilometer weiter an der Küstenstraße E65 entlang. Die Ausblicke sind fantastisch, die Straße ist aber leider vielbefahren und die Orte zwischen Straße und Meer laden deswegen kaum zu einem längeren Aufenthalt ein. Wir übernachten vor Nafpaktos auf einem Hügel, von dem aus wir die Andirrio- Brücke nach Patras hinüber sehen können – vor einem rot-orangen Sonnenuntergang verabschieden wir uns endgültig vom Peloponnes.

Über Mesolongi fahren wir am 26. November weiter nach Etoliko, das nur über Brücken im See zu erreichen ist. Diese Region, die sich von Etoliko nach Westen und Norden erstreckt, gehört zu Westgriechenland und wird Akarnanien genannt. Hier im Süden dieser Region ist es flach, und zwischen den Schilfbecken und Sümpfen liegen große Seen, aus denen Salz gewonnen wird. Rosa Flamingos stelzen herum, aber sie sind zu weit weg, um ein gutes Foto abzugeben. Wie überall in Griechenland, wo es flach ist, haben sich Industrie oder Kleinbetriebe angesammelt – und es liegt viel Müll herum.

Wir fahren nach Norden, und kurz vor Astrakos wird die Landschaft wieder kleinteiliger, erste kahle Bergkuppen ragen vor uns auf. Einsam ist es hier, kaum ein Fahrzeug fährt auf diesen Wegen. Touristische Einrichtungen sucht man in dieser Ecke vergebens.

Wir suchen uns einen Platz für eine oder mehrere Nächte in den lehmig-orangen, mit Stachelpflanzen und Steinen bedeckten Strandabschnitten zwischen Straße und Meer. Hier haben Einheimische schmale Schotterwege angelegt und versteckte Sommerhütten aus Blech und Holz gebaut. Momentan ist alles verlassen, und wir finden einen ebenen Platz mit Aussicht.

bei Astrakos

27. November

Eigentlich wollten wir Rad fahren oder wandern, das Wetter spielt jedoch nicht mit. Mit etwas Regen und viel Wind setzt sich nun langsam auch in Griechenland der Herbst durch. Also fahren wir nach Norden auf der einsamen Küstenstraße Akarnaniens weiter und genießen die Ausblicke nach Lefkada und auf die vor uns liegenden Berge.

In Preveza beschließen wir bei einem reichhaltigen Omelette für Tom und einem „healthy breakfast“ mit drei dunkel gerösteten Weißbrotscheiben und Marmelade und Honig – der Orangensaft macht es wohl healthy – für mich, dass wir bis Igoumenitsa weiterreisen und dort entscheiden, ob wir nach Korfu übersetzen.

Auf Korfu

Die Entscheidung angesichts des halbwegs guten Wetterberichtes und der in zehn Minuten abfahrbereiten Fähre fällt für Korfu.

Unsere Fahrtroute über Korfu

In Lefkimmi im Süden Korfus landet die Fähre nach einer halben Stunde Fahrt an, und da es schon dunkel wird, suchen wir an der Südwestküste einen Nachtplatz auf park4night. Im Halbdunkel erkunden wir noch ein Stückchen Strandstraße, die schließlich im Meer versinkt.

An der Südwestküste Korfus
Südwestküste Korfus

28. November

Das Wetter enttäuscht uns nicht, so dass wir Korfus Süden mit den Fahrrädern erkunden können. Allerdings stellen wir schnell fest, dass dieser Teil der Insel sehr vernachlässigt und heruntergekommen ist. Siedlungen mit Hotels und Pensionen sind ungepflegt, dreckig und vermüllt, die Häuser oft zu lost places verkommen, und auch der Strand ist halbmeterhoch mit Algen bedeckt. Mülltonnen werden offenbar viel zu selten geleert.

Ganze Straßenzüge so wie in Kavos wirken wie in einem Westernfilm: flache, heruntergekommene einfache Gebäude mit großen Eingangstoren, englischsprachige Reklameschriftzüge, die auf Tattoo-Studios, Kasinos, street food, Saloons und Vermietungen aller Art hinweisen… Alles hat geschlossen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass hier in der nächsten Saison auch nur ein Laden öffnet.

Die Straßen sind deutlich löchriger und schadhafter als auf dem Peloponnes, und man muss sehr gut Acht geben, dass man nicht in einem der tiefen Löcher stürzt.

Natürlich gibt es auch schöne Ecken in diesem Teil der Insel – vor Allem, je weiter man nach Norden kommt, und überall dort, wo Menschen nicht versucht haben, mit dem Touristenboom mit wenig Aufwand viel Geld zu scheffeln. So sehen wir auf unserer Runde eine unglaublich grüne Insel, es wachsen allerorts Laub- und Nadelbäume und sehr viele große Zypressen ragen in den Himmel. Zur Zeit werden in den großen Olivenwäldern gerade Oliven geerntet, die Netze überspannen den Boden.

Tags darauf ist es noch einmal sonnig, morgens zwar mit 9 Grad so kühl, dass wir Handschuhe und Kopfbedeckung anziehen, aber nachmittags wird es 15 Grad. Wir radeln nun von der mittleren Westküste – auf einer Linie mit Korfu-Stadt – aus los.

Korfu scheint nur aus Hügeln und Bergen zu bestehen. Es geht steil hinauf und steil wieder herunter, und innerhalb weniger Kilometer ist man 500 Höhenmeter gefahren. Das bringt natürlich die schönsten Aussichten mit sich. Auf der heutigen Tour erradeln wir zunächst den „Kaiser´s throne“, eine nach Kaiser Wilhelm II benannte Aussichtsplattform, von der man bis nach Korfu-Stadt und weit darüber hinaus die Bergketten auf dem Festland sehen kann.

Aussicht von des Kaisers Thron

Anschließend geht es hinab nach Agios Gordios an der Westküste und wieder hinauf über die Bergdörfer Kato Garouna und Ano Garouna. Neben schönen Landschaften mit unglaublich viel Grün sehen wir abgebrochene Fahrbahndecken und heruntergekommene Dörfer einerseits, schöne Villen und hübsche Touristendestinationen andererseits.

So einsam, so wenig touristisch, so autoleer und sauber wie der Peloponnes ist Korfu lange nicht! Und unter den Straßen leiden Auto und Fahrräder – oder besser: Diejenigen, die auf den Fahrrädern sitzen!

Am Nachmittag suchen wir einen großen Parkplatz in Paleokastritsa am Agios Petros-Beach auf. Im Sommer wird dieser brechend voll sein, denn drei attraktive Badebuchten liegen direkt nebenan. Wir wollen die nächsten beiden Tage hier verbringen. Regen ist angesagt, erst wenig, dann mehr. Außer uns parkt hier kein Mensch.

Parkplatz Paleokastritsa

So lange es noch trocken ist, wandere ich nachmittags auf den Klosterberg – und, natürlich – kann ich von hier die umliegenden Buchten und einen Teil der Westküste überschauen.

Am nächsten Vormittag kann ich noch bei trockenem Wetter hinauf nach Lakones, einem kleinen Dörfchen oberhalb der Strände und Buchten, laufen. Der Hinweg nach Lakones führt über einen steilen Eselspfad. Von dem kleinen Ort aus und auf dem Rückweg kann ich über die Buchten mit den Bergen und den Stränden blicken.

Lakones – Aussicht auf die Buchten

Riesige Olivenwälder durchquere ich auf dem Rückweg. Anders als in den bisher bereisten Regionen werden die Olivenbäume hier offenbar nicht geschnitten und wachsen wild wie ein Wald. So werden sie mächtig und stehen dicht. Anders als sonstwo werden die Oliven auch nicht von den Bäumen geschlagen. Vielleicht ist das auch an den überwiegend steilen Hängen zu mühsam. Stattdessen liegen unter den Bäumen riesige Netze, die die herunterfallenden Früchte auffangen. Sogar über den Fahr- und Wanderweg sind einige Netze gespannt, und Hindernisse wie Autos oder Boote werden mit eingesponnen. Was für eine Arbeit es allein sein muss, die Netze mit „Schaschlikstäbchen“ zu verbinden! Die Arbeiter*innen sammeln die Oliven auf, indem sie ein Netz mit einem Haken am Stiel anheben und die Früchte alle in eine bestimmte Richtung kullern, wo sie in Eimer gefüllt werden.

Später am Meer hat der Wind deutlich aufgefrischt, und es beginnt zu regnen – erst wenig, dann so lange und kräftig, wie wir es seit Wochen nicht erlebt haben.

Wir wollen den Norden der Insel noch ein wenig erkunden und fahren nach Angelokastro. Die Ruine der im 13. Jahrhundert erbauten Festung thront hoch oben auf einem Hügel direkt am Meer in der Nähe von Paleokastritsa. Angelokastro war ein Teil des venezianischen Frühwarnsystems, mit Rauchzeichen wurden Gefahren zur Festung nach Korfu-Stadt weitergemeldet. Heute steht nur noch wenig mehr als die restaurierten Grundmauern – die weite Sicht bleibt auch bei Nieselwetter noch gut.

Am 1. Dezember fahren wir an der Nordwestküste weiter bis zum Loggas beach. Das Café mit dem Mini-Skywalk hat leider geschlossen, so machen wir hier nur einen Erkundungsgang zum „Strand“ mit den außergewöhnlichen geologischen Formen aus einer Art Sandstein und Lehm oder Ton. Die Küste bröckelt hier und wird vermutlich immer wieder in großen Stücken abbrechen, die Betontreppe am Strand ist schon ins Meer gerutscht. Ersatzweise gibt es eine provisorische Treppe aus Paletten.

am Loggas beach

Bevor es dunkel wird, laufen wir noch ein Stück weiter in Richtung des Cape Drastis. Im Dorf ist jedes zweite Haus verfallen und verlassen, Müll stapelt sich, wie so oft, auf den Grundstücken. Gebäude, Grundstücke und Straßen stehen in einem starken Widerspruch zur umgebenden Natur.

Cape Drastis
am Cape Drastis

Wir übernachten auf dem ansonsten leeren Parkplatz, um am nächsten Tag die wohl letzte Radtour dieser Reise zu machen. Doch heute haben wir noch einmal Glück und können den Nordwestzipfel Korfus noch genauer erkunden. An der Küste entlang geht es nach Agios Stefanos, einem großen touristischen Küstenort, mit kleineren und größeren Hotels. Alles liegt verlassen da, und Häuser, Grundstücke, die Küstenpromenade und die Straßen wirken angegammelt: Hier ein abgebrochenes Geländer, da eine umgefallene Straßenlampe, dort fehlen die Dachziegel und die Farbe an den kleinen Geländersäulen aus Beton ist abgeblättert. Müll liegt überall herum – vom Haushaltsmüll bis zum Sperrmüll. Einwohner, die ganzjährig hier wohnen, gibt es anscheinend nicht viele.

Die Küstenlinie mit den Ausblicken entschädigt für die oft hässlichen Siedlungen.

Was uns auch jetzt wieder auffällt: Korfu ist dicht besiedelt, es folgt eine Ortschaft auf die nächste, und entsprechend stark ist der Verkehr. Leider sind die Straßen den Anforderungen nicht gewachsen, wir fühlen uns während dieser Tour wie nach Albanien versetzt. Schlagloch folgt auf Querrille, Abbrüche sind keine Seltenheit. Bei Agios Arillas schieben wir durch den Straßenschutt und den Fluss.

Bergab und wieder bergauf radeln wir, und wieder bergab und wieder bergauf, nun nach Afionas hinauf, von wo man einen Blick auf den bekannten langen Timoni beach hat. Hier gibt es viele private, bewohnte Häuser, das dem Ort sogleich einen angenehmen Charakter verleiht.

Oben angekommen auf dem Landzipfel genießen wir unsere Vesper am „sunset viewpoint“, bevor wie ins Landesinnere durch Oliven- und Pinienwälder weiterradeln.

Auch in Agros sehen wir viele kaputte und/oder verlassene Häuser. Ich lese, dass Korfu zu den wohlhabendsten Gebieten Griechenlands gehört. Wie passt das zusammen?

Weitblick bis nach Albanien

Nach dieser Radtour verschnüren wir die Fahrräder fest und regensicher auf dem Radträger und bewegen uns mit Biene am Folgetag langsam an der Nordküste, dann an der Ostküste entlang auf Korfu-Stadt zu. Die Abschnitte mit den meist kurzen Sand- und Kiesstränden gefallen uns nicht, zumal sie meistens eine dichte touristische Bebauung mit sich bringen, die felsigen Küstenabschnitte sind schön. An der steilen Ostküste fährt man oberhalb der Küste mit Blick aufs Meer, während von der Hauptstraße im Norden oftmals die Küste nicht zu sehen ist. Überall ist sehr langsames Fahren ein Gebot, da der Zustand der Straßen in erbarmungswürdigem Zustand ist.

Gegen Nachmittag erreichen wir Korfu-Stadt und parken nahe beim Fährhafen. Durch die schmalen Gassen, durch die verwinkelten Treppen und Häuserblocks und über die breiteren Straßen der Stadt schlendern wir und bekommen einen ersten Eindruck: Buntes Treiben und Leben herrscht hier, es gibt eine Vielfalt von Läden, Cafés, Creperien, und eine gute Stimmung flirrt durch die Sträßchen. Aber auch sehr viele marode Bauwerke gibt es, von denen der Putz bröckelt und die Fenster kaum in den Laibungen gehalten werden. Wir gehen sehr gut essen und schlafen weniger gut auf dem städtischen, lauten Parkplatz.

Am Sonntag möchte ich die Festungen besichtigen. Bei der „neuen“ Festung – eine venezianische Festung, die in den Grundzügen auch schon über 350 Jahre alt ist und später zum Schutz vor den Türken erweitert wurde – stehe ich vor verschlossenen Toren, bei der Besichtigung der „alten“ Festung werde ich von sturzflutartigem Regen völlig durchnässt. Auch Tom kommt tropfnass wieder am Camper an.

Am 5. Dezember geht es mit der Fähre zurück nach Igoumenitsa.

Durch den Süden der Argolis und weiter auf die Halbinsel Methana

Von Nafplio aus geht die Reise nach Osten durch die Argolis Richtung Epidauros, bis wir Richtung Kranidi nach Süden abbiegen und an Didima vorbeifahren zum Salanti- Beach. Schon von Weitem sieht man, vom Berg hinabfahrend, die Bucht mit dem langen Kiesstrand, den lehmfarbenen Fahrspuren und den Brackwassertümpeln im Osten und  – unübersehbar – mit dem sagenumwobenen Salanti-Beach-Hotel, das in seiner Hässlichkeit die Bucht prägt und verschandelt. Unten in der Bucht parken wir direkt am Strand. Außer uns stehen hier noch einige andere Camper, allerdings etwas weiter weg.

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Von Leonidio über das Parnon-Gebirge nach Nafplio

6. November

Nach der Fahrt an der wunderschönen Küste entlang vom Schakalstrand nach Süden kommen wir nachmittags in Leonidio an. Die typischen roten Felsen leuchten schon von Weitem. Mit Herzklopfen schlängeln wir uns durch die engen Straßen zum Campingplatz Semeli, den wir vom letztjährigen Aufenthalt kennen.

Angekommen in meiner zweitliebsten Stadt – naja, es ist ein Dorf mit einer langen Hauptstraße – mit dieser speziellen angenehmen Atmosphäre und dem Kletterparadies auf dem Peloponnes!

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In den Bergdörfern Arkadiens und weiter zum Argolischen Golf

Vom Ladona-See aus erkunden wir die bergige, abgeschiedene Welt des mittleren Peloponnes auf zwei Fahrradtouren. Die erste führt uns hoch über der Schlucht des Ladon- Flusses über 20 Kilometer an den Berghängen entlang bis Kondovazena und wieder zurück. Die Blicke verlaufen sich im helleren und dunkleren Grün der Berge. Vor Allem verschiedene immergrüne Eichenarten wachsen hier, es sieht – trotz des nahenden Herbstes – saftig und lebendig aus. Hier ist nichts vertrocknet, nur der Pegelstand des Flusses und des Sees zeugen vom vergangenen Sommer. Auf der zweiten Radtour fahren wir zunächst über eine schmale Straße steil bergauf Richtung Süden, immer wieder die schönen Ausblicke auf den See, in die Schluchten und auf die Berge genießend.

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Auf dem Pilion und auf Euböa

Am 11. Oktober reisen wir gut 150 Kilometer nach Osten. Da google maps die Streckenführung ohne die mautpflichtige Autobahn als unwesentlich länger darstellt, entscheiden wir uns hierfür – allerdings wechseln wir schließlich aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse irgendwann doch auf die leere und gut ausgebaute Autobahn. Für gut 10 Kilometer müssen wir 4,60€ bezahlen!

Gegen Mittag erreichen wir die Pilion- Halbinsel in Thessalien. Sie wird von der Ägäis auf der Ostseite und dem Pagasitischen Golf auf der Westseite umschlossen. Um die Hafenstadt Volos herum geht es über steile, kurvige und schmale Sträßchen hinauf auf den Pilion- Gebirgszug. In einer der zahlreichen Kurven können wir Blicke auf Volos werfen.

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In Nordgriechenland

In der Vikos- Schlucht, im Pindos-Gebirge und bei den Meteora- Klöstern

3. Oktober

Nach der Landung in Igoumenitsa haben wir uns zügig in die Berge Nordgriechenlands aufgemacht. Es geht über die alte E92 in vielen Serpentinen nach Osten hinauf bis nach Ioannina.

In der gut 110000 Einwohner fassenden Stadt Ioannina fahren wir am die Stadt begrenzenden großen See entlang bis zu der kleinen Halbinsel, auf der die Altstadt liegt.

Aslan-Pascha-Moschee

Hier umfasst noch die Stadtmauer den früheren Stadtkern. Von der Burg sind noch hohe Mauerreste erhalten und zwei Zitadellen. Ein byzantinisches Museum und die Aslan-Pascha-Moschee können für einen geringen Eintrittspreis besichtigt werden. Ich laufe durch die verwinkelten Gässchen, bevor wir die Fahrt Richtung Norden fortsetzen. Oberhalb des kleinen Ortes Perivleptos finden wir einen sehr ruhigen Nachtplatz im Nirgendwo mit toller Aussicht.

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Herbstreise 2022

Mit Biene in die Berge Griechenlands

24. September

Endlich geht es wieder los!

Wir wollen noch einmal nach Griechenland, um dort – einige Wochen früher im Jahr– die Berge zu erkunden, in denen es uns im letzten Jahr zu kalt wurde. Eine Fähre mit Camping on Board haben wir diesmal gebucht, schon im letzten Februar, von Venedig nach Igoumenitsa.

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Rund um Fünen

Am 12. Juli fahren wir weiter nach Fünen. Über die alte Brücke über den Lillebaelt geht es nach Middelfart. Eigentlich hatten wir im Sinn, an Seilen – wie in einem Hochseilgarten – über die Brücke zu gehen, doch der „Bridgewalking“ ist uns mit über 50€ pro Person definitiv die Sache nicht wert.

Also fahren wir weiter an die Nordküste Fünens bis nach Bogense. Hier finden wir einen einsam gelegenen Stellplatz bei Noerreby am Meer, außer uns ist nur ein Wohnmobil da. Eine ältere Dame verdient sich mit der Wiese neben ihrem Haus ein kleines Zubrot. In ihrem Garten dürfen wir Kirschen pflücken, so viele wir wollen. Sehr ruhig und friedlich ist es hier!

Eine erste Erkundungstour führt uns an etlichen massiv wirkenden Kirchen vorbei, an der Nordküste entlang mit Rückenwind bis zur Landzunge und dem Naturschutzgebiet Enebaerodde. Schöne Badestrände und hübsche Ferienhaussiedlungen gibt es hier, die nicht überlaufen sind.

Über die Hofmansgave in Otterup, einem riesigen Hof mit angeschlossenem Kartoffelmuseum, führt der Weg über Kopfsteinpflaster und weiter durch Wiesen bis zum Yachthafen Otterup.

Hofmansgave
Yachthafen Otterup

Richtung Nordwesten müssen wir zurück. Nun sehen wir die Windräder nur noch von hinten, bei 55km/h Gegenwind kämpfen wir trotz der E-bikes gegen den Wind.

Über schmale Straßen geht es durch die Felder, an Estruplund vorbei, einem riesigen Hof, dessen Hauptgebäude 1863 erbaut wurde.

Unterwegs kaufen wir noch zwei Päckchen Butter à 200 Gramm für 8,50€ – die Preise in Dänemark sind um Einiges höher als in Deutschland! Auch andere Lebensmittel sind deutlich teurer als bei uns – allerdings liegt auch das durchschnittliche Jahresbruttoeinkommen höher als in Deutschland, wikipedia behauptet, beides läge um 36% höher. Lediglich die Immobilienpreise befinden sich auf einem halb so hohen Niveau wie in Deutschland – und es gibt viele Häuser, die zu verkaufen sind!

Auf Fünen sehen wir nicht mehr ganz so große, luxuriös und stilvoll renovierte Höfe wie in Südjütland, aber immer noch gibt es große Höfe inmitten der weiten Felder.

Eine der typischen Wohnhausformen hier auf Fünen (aber auch schon in Jütland) ist ein anderthalbgeschossiger symmetrischer Bau mit einem Giebel in der Mitte, meist aus Klinkersteinen oder Holz. Doch auch die reetgedeckten Häuser gibt es hier noch häufig.

Da am nächsten Tag immer noch sehr starker Wind weht und dazu Regenwolken aufziehen, beschließen wir weiterzufahren und uns in Odense das Freilichtmuseum „Den Fynske Landsby“ anzusehen. Hier sind etliche kleinere und größere Drei- und Vierseithöfe aus Fünen im Zustand des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aufgebaut worden. Die Höfe wirken zum großen Teil wie bewohnt. Alle Gärten sind bewirtschaftet, das Gemüse wächst üppig, eine Menge Tiere bevölkern die zugehörigen Felder und Wiesen.

Im Inneren der Wohngebäude wirken die Alkovenbetten sehr gemütlich. Jedes Haus hatte zusätzlich zur Kochstelle einen Brotbackofen mit angeschlossenem Heißwasserkessel. Der reiche Pfarrhof besaß sogar eine „Dusche“, und die Gastwirtschaft wartete mit einer Kegelbahn im Garten auf.

Bei der Weiterfahrt nach Lundeborg an der Ostküste Fünens amüsieren wir uns über die bildhafte Sprache, die die Straßenschilder begleitet: „bump“ ist ein Hügel in der Fahrbahndecke, „swing“ eine Kurve.

In Lundeborg fahren wir den Stellplatz im Hafen an, mit 21€ einer der teuersten Plätze bisher. Hier stehen deutlich mehr Wohnmobile als an den vorherigen Plätzen, die Aussicht auf den Hafen ist schön, das Wetter allerdings trüb und kühl.

Von Wolken, Kälte und viel Wind lassen wir uns am folgenden Tag nicht abhalten von einer letzten ausgedehnten Radtour durch Fünens Südosten. Von Lundeborg geht es an der Küste entlang bis fast nach Svendborg, dann durchs Landesinnere an Wassermühlen, an Reisenden mit Planwagen, Gutshäusern wie Hesselagergaard und weiten Feldern vorbei wieder nach Norden.

Von Weitem können wir die Brücke, die Fünen mit Seeland verbindet, die Stoerebeltbrücke, erkennen.

Stoerebeltbrücke

Als wir uns nachmittags in Biene aufwärmen, füllt sich der Hafenstellplatz schnell, und letztlich müssen etliche Wohnmobile wieder kehrt machen. Die schleswig- holsteinischen Sommerferien haben begonnen, und zudem ist Wochenende. So fahren auch wir am nächsten Tag weiter. Der Wunsch nach einer Besichtigung von Schloss Egeskov vergeht uns schnell, als wir die Preise sehen. Der Schlossbesuch soll 52€ pro Person kosten, allein der Parkbesuch ohne Schlossbesichtigung 27€. Da bleibt uns nur übrig, einen Blick durch die (fast) jeden Blick verwehrenden Heckengänge zu werfen, während die dänischen Familien zuhauf die Anlage stürmen.

Nachmittags finden wir eine einsame Bleibe für die letzte Nacht in Dänemark, auf dem mit 128m dritthöchsten Berg Fünens, dem Trebjerk bei Hastrup. Ein kleiner Spaziergang hinauf bietet schöne Aussichten über das Land und die Helnaes Bucht mit den vorgelagerten Inseln bis nach Jütland.

Es wird Zeit, nach Hause zu fahren. Wir verabschieden uns von Fünen und fahren – entgegen der Urlauberwelle, die im Stau nur langsam nach Norden rollt, wieder nach Deutschland. In Adendorf bei Lüneburg machen wir ein letztes Mal Halt, radeln nach Lüneburg und genießen die Stadt mit ihren wunderschönen alten Bauwerken und die laue Sommerabendluft bei einem Wein am Stintmarkt.