Zurück nach Dover – Abschluss und Resumée

Im Dartmoor

Auf dem Rückweg nach Dover wollen wir noch das Dartmoor besuchen. Allerdings verhindert das nasse und kalte Wetter eine intensivere Erkundung. In Lydford am Rande des Dartmoors nehmen wir Quartier auf einem überteuerten Campingplatz. Von hier aus ist es nicht weit zur Lydford Gorge, der mit 30 Metern tiefsten Schlucht Südenglands. Sie wird vom River Lyd durchflossen und bildet einen feuchten, tiefgrünen Märchenwald mit tropfenden Felshängen. Auf schmalen, etwas rutschigen Wegen gelangt man bis zu einem Pool, in den das Wasser sprudelt.

Kurz vor den nächsten Regenschauern durchqueren wir den Ort Lydford mit Kirche und Burgruine und laufen zurück zum Campingplatz.

Am Folgetag schauen wir uns einen anderen, etwas südlicher gelegenen Teil der Schlucht mit dem White Lady Waterfall an. Neben dem Fluss entdecken wir Coin Trees, in welche tausende von Münzen geschlagen worden sind. Ein Brauch, der Glück bringen soll.

Das gesamte Gebiet wird vom National Trust verwaltet, und so fallen uns auch hier, wie überall zuvor bei Besichtigungen, einige „typisch englische“ Details ins Auge. So wird, wo immer es möglich ist, besondere Rücksicht auf Besucher*innen mit Behinderungen und auf Menschen mit kleinen Kindern genommen: Rollis und Rückentragegestelle sind umsonst auszuleihen. Die Wege und Zugänge sind selbst hier, in diesem zerklüfteten und hügeligen Gebiet, soweit wie möglich behindertengerecht gestaltet.

Auch auf die Hunde der Besucher*innen wird besonders eingegangen, sei es mit Pfählen zum Anbinden von vierbeinigen Begleitern vor den Toiletten oder mit dem Angebot an Hunde- Eis. Dennoch wird die Sicherheit und das Wohlbefinden der Besucher*innen geachtet.

Da Radfahren bei 12 Grad und Dauerregen nicht attraktiv ist, verschieben wir die Erkundung weiterer Sehenswürdigkeiten im Dartmoor auf einen trockeneren Sommer. Nach einem Stadtrundgang in Tavistock, einer kleinen historischen Stadt am Westrand des Dartmoors mit riesigem Rathaus und einer großen gotischen Hallenkirche, vielen kleinen Geschäften und einer imposanten Markthalle, durchfahren wir zügig das unter Naturschutz stehende Gebiet. Die steilen Hügel des Dartmoors verschwinden in den Wolken, die Heide- und Moorlandschaft und auch die Tors, typische Steinaufhäufungen, sind nur zu erahnen. Schade, denn hier begrenzen einmal keine Hecken wie in Cornwall den Blick.

Bis Salisbury kommen wir gut voran. Diese als besonders sehenswert beschriebene Stadt wollen wir anschauen – allerdings ist das aufgrund der Parkplatzsituation nicht möglich. Der große Parkplatz am Stadtrand ist eine riesige Baustelle, auf der sich lange Staus bilden und es unmöglich ist, eine Lücke für Biene zu finden. Entnervt geben wir nach einer Stunde auf und wagen uns auf die M25, die südlich an London vorbei führt. Aufgrund der katastrophalen Verkehrssituation hat sich um London herum auf dieser Strecke ein etwa 50 Kilometer langer Stau gebildet, und die Möglichkeiten auf andere Straßen abzufahren sind genauso schlecht wie durchzuhalten – wir brauchen entsprechend lange, um am heutigen Etappenziel bei Sevenoaks anzukommen.

Zwei Herrenhäuser in Kent

Inzwischen befinden wir uns in der Grafschaft Kent auf einer Campingsite des National Trust. Eine letzte Entdeckungstour ohne Regen gelingt am 10. Juli. Auch wenn immer wieder schwarze Wolken durchziehen, bleibt es trocken, und so radeln wir zunächst zum Knole House, einem Herrenhaus, das ursprünglich als Bischofspalast vor etwa 600 Jahren erbaut wurde. Heinrich VIII verleibte sich das Anwesen schließlich 1538 ein und baute es weiter aus, weilte dort jedoch selber nie lange Zeit. Seit 1566 gehörte es der Familie Sackville- West, die dort über 400 Jahre lebte. Mit jeder neuen Generation wurde erweitert, angebaut und umgebaut. Angeblich gibt es im Haus 7 Innenhöfe, 52 Treppen und 365 Räume – gesehen haben wir davon nur einige. Seit 1946 gehört das Anwesen dem National Trust.

Knole House vom Park aus

So spektakulär wie der Bau ist auch das Interieur. Wandteppiche, Möbel, aufwendig gestaltete Kamine und königliche Betten aus dem 16. und 17. Jahrhundert lassen uns staunen.

Durch den Damwild- Park radeln wir zu einem weiteren Besitztum des National Trust, es liegt nur acht Kilometer entfernt. Es ist nicht so prunkvoll und groß, aber ebenfalls ein besonderes Herrenhaus und hat in den ältesten noch erhaltenen Teilen das stolze Alter von 700 Jahren erreicht: Ightham Mole. Nur geringfügige Änderungen in der Grundstruktur des Hauses lassen es heute noch ähnlich wie damals erscheinen. Es hat einen Innenhof, um den sich die vier Seiten gruppieren und nach innen orientieren, nach außen umschließt das Gebäude ein Wassergraben.  Äußerlich erinnert es an Bauten in der Normandie, da es aus Stein und einem Fachwerk aus vielen senkrechten Eichenstämmen erbaut ist.

Ightham Mote

Der weitläufige Garten erstreckt sich über eine Rasenfläche hinaus bis zu einem Teich, der durch einen kleinen Bach gespeist wird. Ein Teil des Gartens ist mit Blumenflächen, Gemüsebeeten und Brunnen gestaltet. Wie in jedem bisher gesehenen englischen Garten herrscht eine angenehme Atmosphäre von gepflegt- verwilderter Gestaltung mit vielen blühenden Pflanzen, Büschen und Bäumen.

Canterbury

Das letzte Ziel der Reise ist Canterbury in Kent. Canterbury liegt nur noch eine halbe Fahrstunde von Dover entfernt und – besonders erwähnenswert: Es gibt einen preiswerten Stellplatz für Wohnmobile, von dem aus man bequem und kostenfrei die Altstadt in wenigen Minuten erreichen kann.

Canterbury ist vor Allem durch die Kathedrale bekannt, die auch heute noch der Sitz des Erzbischofs und damit Zentrum der Anglikanischen Kirche ist. Die Studentenstadt hat Flair und wird von vielen Jugendgruppen besucht, schließlich hat sie außer der Kathedrale noch einige Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Das Old Weaver House am River Stour aus dem 15. Jahrhundert erinnert an die Weber, die sich hier niederließen; es gibt die King´s School, eine Privatschule und älteste Schule der Welt, das Beaney House of Art and Knowledge,  das Eastbridge Hospital, das Denkmal Thomas Becket´s und weitere interessante Gebäude wie das Canterbury Castle und etliche Kirchen. Einige davon sind mit Flintstein verkleidet, was der Wand einen besonderen Glanz verleiht.

Old Weaver´s House

Die Canterbury Cathedral überragt alle anderen Bauten und liegt in einem abgeschlossenen großen Gebäudekomplex, der Domfreiheit. Die Kathedrale wurde bereits im 11. Jahrhundert erbaut, Reste hiervon sind heute noch in der Krypta zu sehen. Die meisten Bauteile stammen aus romanischer und gotischer Zeit. Die schiere Größe der Kathedrale mit ihren unzähligen Kapellen lässt uns Staunen.

ein Teil der Kathedrale von Canterbury

Die Besichtigung Canterburys ist ein gelungener Abschluss der Reise, und am Morgen des 12. Juli bringt uns die Fähre von Dover nach Calais und damit nach fast acht Wochen zurück aufs Festland.

Ein kleines Fazit

Fremd war uns England in den ersten Tagen, nicht nur wegen des Linksverkehrs, sondern weil alles ein bisschen „anders“ ist: Das hohe Verkehrsaufkommen auf Straßen, die in Teilen autobahnähnlich sind, dann aber wieder in einen Kreisverkehr münden, an dem sich alles staut; die Campingplätze, die oft nur große Wiesen sind ohne Grauwasserentsorgung; die kleinen Läden, die es – anders als in Deutschland – noch vielfach gibt; die alten, oft noch einfach verglasten und ungedämmten Häuser und vor Allem und immer wieder die Freundlichkeit der Menschen.

Südengland war für uns landschaftlich beeindruckend schön. Saftig-grüne und farbenfrohe, ungemähte hohe Wiesen, Hecken und steile Hügel, eine zerklüftete und wunderbar wanderbare Küste mit Felsen, Kies- und Sandbuchten und hübsche kleine Städte haben für Abwechslung und Wohlbefinden gesorgt. Die nicht sommerlichen, etwas niedrigen Temperaturen haben unsere Unternehmungen nicht behindert, zumal es in den ersten Wochen kaum geregnet hat. Und schließlich haben wir in den gesamten fast acht Wochen keine Mücke und keine Pferdebremse gesehen oder gespürt.

Entgegen vielen Kommentaren im Internet haben wir das Radfahren in England zwar wegen der steilen Berge als anstrengend, aber nahezu durchgehend schön und ungefährlich empfunden und genossen. Es war fast immer möglich, die Routen so zu wählen, dass sie nicht über stärker befahrene A-Straßen führten, und meistens war auf schmaleren Straßen nur wenig Verkehr. Auf einspurigen Straßen haben die Autofahrer*innen stets Rücksicht genommen, oft angehalten und uns freundlich grüßend vorbei fahren lassen.

Anders erging es uns als Autofahrer*in. Weite Strecken zu fahren empfanden wir als sehr anstrengend. In Südengland kommt man nur langsam voran: Entweder ist es voll oder eng. Die Verkehrsplanung in England ist so gewöhnungsbedürftig, dass wir auch auf der Rückfahrt noch Schwierigkeiten mit aufeinander folgenden Kreisverkehren, sehr langen oder fremd ausgeschilderten, teilweise kilometerlangen Auf- und Abfahrten haben.

Ganz beeindruckend positiv ist die Freundlichkeit und Zugewandtheit der Menschen in England. So viele Engländer*innen haben uns angesprochen und sich nach Erfahrungen und Wohlbefinden erkundigt, Tipps für Ausflüge und Einkaufsmöglichkeiten gegeben und Wege gewiesen. Keine einzige schlechte Erfahrung mussten wir im Umgang mit Menschen machen. Diese Umsichtigkeit und Höflichkeit spiegelt sich auch im Umgang mit Verbotsschildern (als Bitte formuliert), mit gehandikappten Menschen (ich habe noch nie so viele Rollstuhlfahrer*innen in der Öffentlichkeit gesehen) und nicht zuletzt mit Hunden (schätzungsweise gibt es in England ebenso viele Hunde wie Menschen, aber keine Hundehaufen auf den Gehwegen). Die Engländer*innen haben unsere Herzen erobert!

Eine gute Entscheidung war es, im Vorfeld der Reise dem Verein „Kulturerbe Bayern“ für 18€ jährlich als Mitglied beizutreten, da dies den kostenfreien Besuch sämtlicher Denkmaler des National Trust beinhaltet. So hat jede*r etwa 135 Pfund (etwa 150€) bei den Eintritten für Denkmäler des National Trust gespart, da in England die Eintrittsgelder sehr hoch sind.

In England gewöhnt man sich das Rauchen ab: Nachdem wir für eine Schachtel Zigaretten umgerechnet 20€ bezahlt haben, schmecken die Zigaretten nicht mehr. Zudem ist das Rauchen fast überall nicht erwünscht oder zumindest nicht gern gesehen – auch nicht im Außenbereich von Cafés. Rauchende Engländer*innen haben wir sehr selten gesehen.

Erstaunt hat uns die oft schlechte Internet- Verbindung in einigen Gebieten Südenglands – und dass wir kaum deutsche Camper gesehen haben. Gegen Ender unserer Reise wurden es langsam mehr; England ist wohl für die meisten Deutschen ein eher ungewöhnliches Sommer- Reiseland.

Für uns steht fest: Wir werden nicht zum letzten Mal in England gewesen sein!

An der Nordküste Cornwalls

Von Saint Agnes nach Newquay

Am 26. Juni fahren wir etwa 50 Kilometer weiter nach Nordosten und nehmen bei Saint Agnes für zwei Nächte Quartier auf einem besonders preiswerten, gut ausgestatteten Campingplatz. Der Tag ist trüb, so dass es bei einem kleinen Spaziergang in den Ort bleibt und wir anschließend lesen und faulenzen.

Am nächsten Tag sieht es wieder freundlicher aus – die Wetterlage wechselt schnell und ist grundsätzlich nicht voraussagbar. Neben Verpflegung werden die Regensachen eingepackt, dann drehen wir eine große Radrunde entlang der Atlantikküste mit ihren abwechslungsreichen Buchten, über Perranporth und Holywell und in einem Bogen über Land zurück. Der größte Teil des Weges führt über schmale Straßen mit wenig Verkehr, auf denen das Radeln Freude macht. In Holywell fühlen wir uns an die Nordsee versetzt – hier gibt es Sanddünen mit dem typischen Strandhaferbewuchs und einen großen Sandstrand.

Das Trerice- Haus liegt auf unserem weiteren Weg nach Newquay. Trerice ist ein großes, sehenswertes elisabethianisches Herrenhaus, welches im 16. Jahrhundert erbaut wurde und sehr lange Zeit im Besitz zweier adeliger Familien war. 1957 wurde es vom National Trust übernommen und restauriert. Typisch sind der E-förmige Grundriss, die großen, vielfach unterteilten Fenster und die Innenaufteilung des Hauses. Die zu besichtigenden Einrichtungsgegenstände stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, einige sind auch späteren Datums.

Trerice House

Im Knotengarten fängt gerade der Lavendel an zu blühen, es gibt Apfelbäume und gemütliche Ecken mit Bänken und etwas höher gelegen eine Wiese mit alten Kegelbahnen. Ein Café nahe den Stallungen lädt zum Verweilen ein, doch auch auf den Wiesen breiten die Menschen ihre Picknicks aus.

Nahe der größeren Küstenstadt Newquay verbringen wir bei „Piggies“ auf dem großen Wiesen- Campingplatz zwei Tage. Die Besitzer sind sehr freundlich und erkundigen sich täglich, wie es uns geht – sie sind neu im Geschäft und haben den Platz erst im November übernommen.

Von hier aus erkunden wir am 30. Juni Newquay, das größte Seebad Cornwalls. An der Küste liegen mehrere Sandstrände, die den Ort für Touristen attraktiv gemacht haben – heute macht er auf uns einen in Teilbereichen etwas verwahrlosten Eindruck.

Im kleinen, etwas abgeschiedenen Hafen erkennt man noch, dass Newquay einst ein Fischerdorf war, doch heute spielt sich das Leben oberhalb der Strände in den Straßen ab. Quirlig, bunt und überfüllt ist es hier, fast alle Menschen sind sommerlich gekleidet, kurzärmelig und mit kurzen Hosen und kurzen Röcken unterwegs und trotzen den kühlen Temperaturen. Engländer haben eine hohe Schmerzgrenze gegenüber den ortstypischen Temperaturen, die bisher die 18-Grad – Marke nicht überstiegen haben, eher meist darunter liegen. Surfshops, Bekleidungsgeschäfte und vor Allem Imbissgeschäfte gibt es hier zuhauf.

Über eine Landzunge führt der Weg von der Stadt zum Headland mit dem Luxushotel „The Headland“ und schließlich zurück am Huer´s Hut vorbei, einer heute weiß gekalkten Steinhütte, von der aus früher ein Beobachter den Fischern die Sichtung von Fischschwärmen lautstark Kund tat.

Von Newquay nach Padstow

Leider wird das Wetter insgesamt kühler und windiger als in den ersten Wochen und auch häufiger nass, was unsere Aktivitäten etwas behindert. Wir verlagern unseren Ausgangspunkt an die Küste auf eine riesige Camper-Wiese ohne jeglichen Komfort für 25£ in bar, aber mit tollem Blick auf den Atlantik und unmittelbar am Coast Path gelegen.

Von hier aus geht es bei sehr windigem, aber trockenem Wetter über den SWCP zu den Bedruthan Steps, gewaltigen, der Küste vorgelagerten Felsen, auf denen einst der Riese Bedruthan an Land gestiegen sein soll – so ein cornisches Märchen. Immer aufs Neue begeistert uns der Pfad, der – mal breiter, oft schmal, hier ohne Hecken mit direktem freiem Blick aufs Meer, unmittelbar an der Küste entlangführt.

Anderntags, am 1. Juli, laufen wir in die entgegengesetzte Richtung zum kleinen Ort Porthcothan, in der nächsten Bucht gelegen. Bei Niedrigwasser läuft das Wasser so weit aus der flachen sandigen Bucht heraus, dass Badende mehr als 200 Meter laufen müssen, um noch nasse Füße zu bekommen. Sehr attraktive Ferienhäuser gibt es hier, mit riesigen Fenstern dem Meer zugewandt.

Im Dorf gibt es zwar einen kleinen Laden, doch hier können wir, entgegen anders lautenden Informationen, keine englischen Pfund holen. Das letzte Bargeld, zusammengekratzt aus sämtlichen Jackentaschen, ermöglicht uns eine weitere Nacht auf der Atlantikwiese, dann müssen wir weiter.

Auf dem Weg nach Padstow kommen wir an Prideaux Place vorbei, einem noblen Herrenhaus, das 1592 erbaut wurde. Noch heute ist es im Besitz der Prideaux- Familie. Rosamunde-Pilcher-Fans werden es aus einigen der verfilmten Bücher wiedererkennen.

Prideuax Place

Das Haus besichtigen wir nur von außen, wandern durch die Gärten und am hauseigenen Damwild- Gehege vorbei und fahren schließlich nach Padstow, wo wir einen etwas außerhalb gelegenen Tagesparkplatz für Biene finden.

Padstow, ein weiterer kleiner, recht hübscher Küstenort mit Hafen, ist touristisch sehr überlaufen. Nach einer Laufrunde durch den Hafen und die anliegenden Sträßchen haben wir genug gesehen und suchen wir einen Campingplatz auf der anderen Seite des River Camel auf, Blakes Keiro Farm. Mal wieder eine große Wiese mit Aussicht, für die wir zunächst 32£ pro Nacht zahlen sollen, letztendlich nach einigen Verhandlungen aber nur 20£ bezahlen. Unbedingt möchten wir von hier aus den Camel Trail radeln.

Campsite Blakes Keiro Farm mit Blick Richtung River Camel

Ein sehr freundlicher älterer Nachbar bringt sogar noch eine eigens für uns erstellte Zeichnung des zu fahrenden Weges vorbei und gibt Tipps, in welchem Pub man am besten essen könne. Allerdings durchkreuzt das stürmische Regenwetter des nächsten Tages unsere Pläne, wir bleiben eine Nacht länger und verschieben die Tour auf den 4. Juli, an dem es zumindest trocken ist.

Bis zum Beginn des Trails auf einer stillgelegten Bahnstrecke – für uns in Tresarrett – radeln wir über etliche Hügel nach Osten, danach führt die Strecke am River Camel entlang zurück bis Padstow. Gemütlich geht es hier immer ein wenig bergab, zuerst durch knorrige Wälder, später durch die Wiesen- und Wasserlandschaft bis Padstow, wo die Fähre uns hinüber bringt nach Rock. Ein schöner Rad- und Fußwanderweg, der allerdings zwischen Wadebridge und Padstow sehr voll wird – hier gibt es Fahrradverleihe und zusätzlich laufen viele Spaziergänger diese letzten Kilometer entlang. Während wir radeln, füllt sich der Fluss immer mehr mit dem einströmenden Meereswasser.

Leider stürmt und regnet es am folgenden Tag wieder, so dass weder eine weitere Radtour noch eine Wanderung sinnvoll sind und wir die Reise an der Nordküste Cornwalls fortsetzen.

Von Padstow nach Tintagel

Einen Stopp legen wir bei Port William ein und vertreten uns die Füße in dieser hübschen kleinen Hafenbucht mit dem Trebarwith Beach. Windig und regnerisch ist es auch hier, doch Felsstrand und Ort laden zum Schauen und Fotografieren ein.

Nachmittags findet sich ein kostenfreier Parkplatz in Nähe der St. Materiana Church bei Tintagel. Von hier aus kann man mit einem kleinen Spaziergang an der Küste entlang den Felsen mit der Burg Tintagel erreichen. Die Burgruine, hoch gelegen auf zwei heute mit einer Brücke verbundenen Klippen, ist Grund für die Touristenmassen, die hier jährlich angeschwemmt werden (im Jahr 2022 waren es 280.000). Hier in dieser Burg soll nach der Legende Artus gezeugt worden und unter Anleitung des Zauberers Merlin aufgewachsen sein. Die Höhle unterhalb des Burgberges wird denn auch Merlin´s Cave genannt und ist vom Strand aus bei Niedrigwasser zugänglich.

Den Eintritt von über 20£ pro Person für die Überquerung der Brücke und eine Nahaufnahme der Skulptur König Artus´ sparen wir uns. Die Edelstahlskulptur, die König Artus darstellt, steht auf dem vorgelagerten Felsen und hat eine Höhe von 5,80m.

Wir erkunden statt dessen lieber die Bucht mit ihren riesigen Felsen, der Höhle und einem Wasserfall.

Am 5. Juli spielt das Wetter wieder mit: Zwar stürmt der Wind in Böen bis 70 km/h, doch die Sonne scheint und es bleibt trocken während der Wanderung vom Wohnmobilstellplatz in Tintagel bis nach Boscastle. Wie an anderen Streckenabschnitten zuvor begeistert uns auch jetzt wieder der hier besonders steil auf und ab führende Küstenweg mit seinen Ausblicken auf Wasser, Felsen und übers Land.

In Boscastle haben wir genügend Zeit uns den Teil des schmucken Städtchens zwischen Carpark und Hafen anzuschauen, bevor der Bus uns zurückbringt nach Tintagel.

Auch ein Erlebnis der besonderen Art ist es, mit dem Bus durch die engen Straßen Cornwalls zu reisen! Touristen-Passagiere schreien immer wieder auf und weichen von der Außenseite zurück, wenn es an Hecken oder im Millimeter-Abstand an Autos vorbei geht.

Am 7. Juli statten wir dem über 600 Jahre alten Old Post Office in Tintagel noch einen Besuch ab, bevor wir Cornwall Richtung Osten verlassen. In dem alten Stadtbauernhaus biegen sich die Dachbalken unter dem Schieferdach, das im 17. Jahrhundert gegen ein Reetdach ausgetauscht wurde. Die mittelalterlichen offenen Feuerstellen wurden im 17. Jahrhundert durch Kamine in jedem Zimmer ersetzt. Innen ist das Haus mit Möbeln und Utensilien aus dem 16.-19. Jahrhundert ausgestattet.

Old Post Office, Tintagle

Etliche kleine Geschäfte verkaufen in Tintagel die typischen Andenken, einige ansprechende Steinhäuser vervollständigen das Ortsbild.

Im westlichsten Zipfel Cornwalls

Rund um St. Hilary

Der nächste Ausgangspunkt liegt für uns in St. Hilary bei Marazion. Der neu eröffnete Stellplatz ist offenbar noch kaum bekannt und bietet viel Platz, wir sind fast die Einzigen auf dem großen, sorgfältig angelegten und gepflegten Wiesenplatz. Von hier aus radeln wir am nächsten Tag nach Porthleven, etwas südöstlich an der Küste Cornwalls gelegen. In der hügeligen Umgebung entdecken wir auf dem Weg zwischen den drei Meter hohen Hecken, die mit Farnen, Brombeeren, Fingerhut und vielen Gräsern bewachsen sind, die Ruine einer ehemaligen Kupfer- und Zinnmine.

„Im westlichsten Zipfel Cornwalls“ weiterlesen

Von Kingsbridge zur Lizard-Halbinsel

An der Südküste Englands bewegen wir uns langsam weiter nach Westen. Längere Strecken können wir über die autobahnähnliche A38 fahren, die Abstecher in küstennahe Kleinstädtchen und Dörfer führen oft über schmale, mit hohen Hecken gesäumte und kaum einsehbare Straßen. Auf diesen Wegen legen wir manchmal nur 15 Meilen in einer Stunde zurück. Die Landschaften und Dörfer in Küstennähe sind beeindruckend saftig, grün, farbenfroh und bergig. Die Engländer, mit denen wir ins Gespräch kommen, sind auch vom etwas wechselhaften, aber meist trockenen Wetter begeistert: Sobald die Sonne herauskommt, ist es ein lovely day und lädt zum Wandern, Baden oder Reiten ein. Footpathes und auch bridleways gibt es überall zuhauf.

„Von Kingsbridge zur Lizard-Halbinsel“ weiterlesen

Entlang der südenglischen Küste

Von Alfriston zu den Seven Sisters

Zwischen Eastbourne und Brighton liegt das hübsche Städtchen Alfriston, wo wir zwei Tage auf einer riesigen „Camping“wiese verbringen. In Alfriston gibt es einige schöne alte Fachwerkhäuser, ein Marktkreuz, eine 700 Jahre alte Kirche mit großem Kirchhof und das Clergy House, eines der ältesten noch erhaltenen Wohnhäuser Englands.

Campingplatz Alfriston
Clergy-House aus dem 13. Jahrhundert
„Entlang der südenglischen Küste“ weiterlesen

Sommerreise nach England 2024

In Brügge

Am 22. Mai fahren wir nach Brügge, der Hauptstadt Westflanderns im Nordwesten Belgiens. Auf dem stadtnahen Stellplatz gibt es noch einen freien Platz – für 30€ pro Nacht. Nicht billig, aber schön am Kanal gelegen und nur fünf Minuten Gehweg bis in die Innenstadt.

Dass Brügge im späten Mittelalter eine der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte des damaligen Europas war ist noch heute an den gut erhaltenen bzw. restaurierten prachtvollen Bauwerken innerhalb der Stadtmauern zu erkennen. Die Altstadt wird von Wallanlagen umgeben und von Kanälen durchzogen. Sie gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO- Kulturerbe. 

„Sommerreise nach England 2024“ weiterlesen

Im südlichsten Zipfel Spaniens und in den Weißen Dörfern

In Tarifa

Am 6. Februar reisen wir wieder in Spanien ein. Da es schon spät ist, übernachten wir am Hafen von Ceuta und fahren am folgenden Tag weiter nach Tarifa, dem südlichsten Punkt des spanischen Festlandes. Auf dem städtischen Wohnmobil-Stellplatz treffen wir die Luxemburger Reisefreunde wieder.

In den nächsten Tagen warten wir gemeinsam den Regen und Sturm ab – und der kommt gewaltig. Fünf Tage bleiben wir hier. Der Platz ist zwar lehmig und voller Pfützen, doch in Gesellschaft von Freunden lässt es sich gut aushalten, und mit 8€ inclusive Wasser und Abwasser ist der Platz preiswert und nah am Strand gelegen.

Die kurzen Regenpausen nutzen wir für einen Strandspaziergang oder den schnellen Gang zum Einkaufen, Wäsche waschen oder Essen gehen. Eine längere Regenpause erlaubt eine kurze Radtour auf der nahen Strandstraße nach Westen und später durch Tarifa, welches eine hübsche Altstadt mit dem gewissen „Surfer-Flair“ mit interessanten Cafés, veganem Restaurant und Bioläden hat. Denn: Surfer, oder besser Kiter, gibt es hier unglaublich viele.

Bei einem zweiten Strandspaziergang ist der Strand bis zu den Stegen überspült. Wir schauen zu, wie geschätzt mindestens 200 Kiter auf der Lagune und dem offenen Meer den starken Wind nutzen. Wie viele bunte Schmetterlinge segeln die Kites in der Luft, erstaunlich, dass sich die Schnüre nicht verheddern!

Barbate

In Tarifa und an den Stränden in der Nähe parken die wenigsten Wohnmobile auf dem Stellplatz. Hunderte von Campern aus allen erdenklichen Ländern, viele davon mit Surf- und Kite- Equipment, parken auf den zahlreichen Plätzen in der Stadt und an den Stränden weiter westlich. Hier werden sie offenbar im Winter geduldet, für den Sommer gibt es Höhenbegrenzungsschranken.

In den Ferienorten weiter westlich darf kein Camper mehr parken, stellen wir fest, als die Reise weitergeht. Eigentlich wollen wir in Bolonia oder Zahara an der Küste stehen, doch die offiziellen Plätze sind alle geschlossen – und die Parkplätze sind alle mit einer Schranke auf 2,20m Höhe begrenzt. Schade – diese Orte sind ausgesprochen hübsch.

In Barbate findet sich schließlich ein Stellplatz am Yachthafen, heute sogar kostenlos, da die Schranke am Eingang kaputt ist. Der Platz ist groß und asphaltiert – nicht gemütlich, aber gut gelegen. Zum Strand sind es nur 200m, und zum Radweg EV8 nur 100m.

Von hier aus erkunden wir mit dem Rad auf dem teilweise gut ausgebauten Europaradweg die Küste nach Südosten.

Die Sonne kommt immer stärker hinter den Wolken hervor, und schon bald wird es warm. Am Cabo Plata verteilen sich luxuriöse Bungalows großzügig in Palmengärten oder direkt an der Sand- und Felsenküste. 

Wenn auch nicht so luxuriös und großzügig, so ist der Küstenort Zahara zumindest höchstens 4stöckig und meist mit geschmackvollen neuen Ferienanlagen bebaut. Die Straße führt auch nicht, wie oft an der spanischen Küste, direkt am Meer entlang, so dass sich hier bestimmt ruhige Urlaubstage verbringen lassen.

Hinter dem Faro de Camarinal geht es steil hinauf in Steineichen- und Felsformationen, bevor der Blick auf die große Düne von Bolonia fällt.

große Düne bei Bolonia

Auf der 2. Radtour führt der EV8 mit seinem grünen Band bis nach Conil. Allerdings verläuft er immer an der Straße entlang – was offenbar Sinn macht, denn der Abstecher in Richtung Meer verläuft wortwörtlich im Matsch und im Sande. Zwei Kilometer Schiebestrecke, dann geht es wieder über den Radweg bis Conil, einer weiß leuchtenden Stadt mit breiter Strandpromenade und großem Sandstrand.

Nach dem erneuten Wiedersehen mit den Luxemburger Reisefreunden auf dem Stellplatz in Barbate setzen wir am 15. Februar  die Reise nach Cadiz fort. Aufgrund der spektakulären Lage der Stadt fährt man über eine etwa 4 Kilometer lange sehr schmale Landzunge bis in die Stadt hinein. Nach weiteren 6 Kilometern durch die übervolle Stadt erreichen wir den einzigen Parkplatz, auf dem Wohnmobile parken dürfen – nur um festzustellen, dass hier und heute nur noch spanische Camper eingelassen werden. Gerne hätten wir uns die älteste Stadt Spaniens angesehen! Nach kurzem Ärger beschließen wir, die dicht besiedelte und von Campern überfüllte Küste hinter uns zu lassen.

Von Arcos de la Frontera in die Sierra de Grazalema

Gut 60 Kilometer weiter nordöstlich stoßen wir auf Pepes Farm, ein großer, familiärer Stellplatz bei Algar hoch über dem Embalse de Guadalcacin. Wie freuen wir uns über die grüne und saftige Umgebung! Die kleinen Wiesenblumen leuchten in Gelb, Weiß und Rosé zwischen all den frühlingshaften hellen Grüntönen! Wir bleiben ein paar Nächte und genießen Ausblicke, Ruhe, Natur und feine kleine Straßen.

ein Morgen auf der Farm

Welche Freude ist es, wieder Rad fahren zu können! Auf einer ersten Tour erkunden wir den Nordosten bis nach El Bosque und zum Schluss die kleine Stadt Algar. Die Sonne vertreibt die Regenwolken, und wir schwitzen die steilen Berge hinauf, nur um ein paar hundert Meter weiter wieder genauso steil bergab zu rollen.

Anderntags erkunden wir zunächst die Stadt Arcos de la Frontera. Arcos ist der Hauptort der Weißen Dörfer, von denen wir in den nächsten Tagen noch mehrere ansehen wollen. Oben auf dem Felsen, hoch über dem Fluss Guadalete, liegt die Altstadt mit dem zur Zeit eingerüsteten Palast der Herzöge von Arcos und der Baustelle des Plaza del Cabildo – beides ist leider zur Zeit nicht zugänglich. Die Basilika Menor de Santa Maria de la Asuncion und die Iglesia de San Pedro liegen ebenso auf dem Bergrücken wie einige schöne Bürgerhäuser und – natürlich – verschiedene Aussichtspunkte.

Arcos de la Frontera

Nach dem Stadtbesuch radeln wir um den Stausee Guadalcacin, der, wie viele Stauseen in Andalusien, nur noch zu etwa einem Drittel gefüllt ist. In vielen Nebenarmen befindet schon seit Jahren kein Wasser mehr, der Bewuchs breitet sich aus. Die Regenarmut ist hier besonders sichtbar, obwohl das Land zur Zeit grünt und blüht.

Da oben auf dem Berg steht Biene!

Nach den ruhigen Tagen auf der Farm wollen wir Neues entdecken, die Weißen Dörfer stehen auf dem Plan ganz oben. Der Ort Grazalema ist eines der Weißen Dörfer. Typisch dafür sind weiß gestrichene Häuser in engen, am Berghang liegenden Gassen. Grazalema liegt inmitten des Naturparks Sierra da Grazalema auf knapp 900m Höhe und weist – laut Wikipedia – die mit Abstand höchste jährliche Niederschlagsmenge Spaniens auf (schon wenige Kilometer weiter herrscht wiederum Regenarmut). Wir haben schon wieder Glück: Die Sonne scheint, es herrschen Temperaturen von etwa 20 Grad. Oberhalb des für den Wandertourismus bekannten Ortes liegt ein Parkplatz, von dem aus man hinunter in den Ort laufen und diesen erkunden kann.

Mit seinen kleinen Kirchen, der großen, belebten Placa de Espana vor der Kirche Nuestra Senhora de la Aurora, dem Denkmal Toro de Cuerda, den hübschen alten Trinkwasserbrunnen und den auffällig gestalteten Eingangstüren in vielen der weißen Häuser wirkt der Ort einladend und gemütlich.

Viele Wandertouren sind von hier aus möglich, wir ziehen dem Wandern per Pedes allerdings das Radwandern vor.

Hinunter zum Embalse de Zahara führt die serpentinenreiche Route, beständig sanft bergab durch grüne Wiesen und Steineichenwälder und an zahlreichen Olivenhainen vorbei – natürlich immer mit schönen Ausblicken.

Nur im nördlichen Teil des Embalse de Zahara ist noch Wasser

Der Fluss Guadalete verbreitert sich hier zum Stausee, doch dieser ist, wie die meisten andalusischen Stausee, kaum noch wasserführend. Am in weiten Teilen vollständig wasserleeren See vorbei radeln wir nach Zahara de la Sierra, einem weiteren Weißen Dorf. Von hier aus sieht man zuerst die „Rückseite“ des Ortes, von der Staumauer aus gesehen liegt das Dorf am Hang des Berges. Strahlend weiß heben sich auch hier die Häuser vom Bergrücken und der grünen Umgebung ab, hoch darüber erheben sich die Überreste einer maurischen Burg. Oben im Ort erradeln wir Sträßchen und Gassen.

Blick auf Zahara von der Staumauer aus

Auf dem Rückweg müssen wir den 1357m hohen Pass Puerto de Las Palomas erklimmen. Eine tolle Strecke, die in unglaublich vielen großen Kurven bergauf führt. Vom Pass aus ist es nicht mehr weit zurück zum Parkplatz. Im Abendlicht zeigt sich Grazalema noch einmal von seiner schönsten Seite.

Grazalema

Noch am Abend setzen wir den Weg durch die Weißen Dörfer mit Biene fort. In Olvera gibt es einen Stellplatz am alten Bahnhof, an dem keine Züge mehr verkehren und nun ein Bahnradweg die Via Verde da la Sierra, beginnt. Olvera ist eine kleine Stadt an der Ruta de los Pueblos Blancos und liegt wiederum auf einem Berg, auf dem hoch oben die Überreste einer Burgruine sowie eine Kirche thronen. Diese Bergkuppe wird, wie in Grazalema und Zahara, von weiß getünchten Häuserreihen umgeben.

Nach Setenil de las Bodegas führt eine wenig befahrene schmale Straße, die wir am nächsten Tag nutzen, um ein weiteres Weißes Dorf mit dem Fahrrad zu besuchen. Die Mandelbäume blühen, auf den hellgrün leuchtenden Wiesen sprießen die Frühlingsblumen – es ist ein großes Glück, hier im Süden zu sein!

Blick auf Olvera

Setenil ist wegen seiner unter einen Felsüberhang gebauten, schmalen Häuser eines der bekanntesten Weißen Dörfer. Bei dem Abstieg über die Treppen der Calle Herreria wirken diese Felsen sehr imposant. Das wissen auch viele Touristen – wir sind bei Weitem nicht die einzigen Besucher.

Von der ehemaligen Burg ist nur noch ein erneuerter Bergfried erhalten, bis zu dessen Fuß wir hinaufsteigen und über den Ort blicken. Auf dem Rückweg entdecken wir weitere, neuere Häuser, die unter von einem Fluss ausgewaschenen Felsüberhänge gebaut sind.

Ein Highlight ist der letzte Tag, den Biene auf dem Stellplatz in Olvera verbringt: Es geht mit dem Fahrrad auf der Via Verde de la Sierra über 36 Kilometer bis nach Puerto Serrano. Auf dieser Strecke werden 30 (in Worten: dreißig!) Tunnel durchfahren – zwischen 30 und etwa 1000m sind sie lang, die kürzeren unbeleuchtet, die längeren beleuchtet. Dazwischen liegt eine wunderschöne, stille, hügelige, teils felsige Landschaft. Hoch über den Felsen kreist eine Kolonie Gänsegeier. Kein Auto darf hier fahren. Zurück fahren wir denselben Weg, bis wir erschöpft wieder am Camper ankommen.

Von Olvera aus müssen wir zügig nach Deutschland zurückreisen – etwas früher als ursprünglich geplant, aber um eine Menge absolut beeindruckende Erlebnisse reicher.

Resumée der Marokko- Reise

Viel haben wir gesehen in Marokko und viel erlebt. Fast 4000 Kilometer sind wir gefahren. Und doch gibt es sicher noch viel mehr, was wir hätten besuchen können!

Vom Fährhafen Ceuta aus sind wir über Chefchaouen in den Mittleren Atlas gefahren. Nach Süden ging es weiter bis in die Wüstenregion des Erg Chebbi. Danach haben wir die Schluchten des Dades und der Todra besucht und sind nach Westen bis Ait Ben Haddou gereist. Von dort führte die Route über Ouazarzate und Agdz und durch das Draa-Tal weiter nach Süden und an der großen Steinwüstenregion des Erg Chegaga vorbei schließlich nach Westen. Über den Antiatlas hinweg sind wir nach Tafraoute gereist. Diese Region haben wir ausführlicher erkundet, sie hat uns besonders gut gefallen. Von hier aus ging es weiter an den südlicheren Atlantik, dann über Taroudannt und den Hohen Atlas mit den erschreckenden Schäden durch das Erdbeben bis nach Marrakesch. Von Marrakesch führte die Reise wieder an den Atlantik nach Essaouira und am nördlichen Atlantik zurück bis Larache. Von dort aus sind wir quer durch die Hügel Nordmarokkos nach Tetouan und wieder bis zum Fährhafen Ceuta gereist.

Als positiv haben wir empfunden

  • die herzliche und freundliche Art der Marokkaner*innen, insbesondere der Frauen, Mädchen und älteren Männer
  • die ausgesprochen schönen und interessanten Landschaften und Schluchten, die uns im Norden, vor Allem dann im Antiatlas und im Hohen Atlas, aber auch im Erg Chebbi und im Mittleren Atlas begeistert haben
  • die preiswerten Stell- und Campingplätze, die zwar nicht europäischem Standard entsprechen, für uns aber völlig ausreichend waren
  • die Diesel- und Lebensmittelpreise
  • das warme, sonnige Wetter: In acht Wochen hatten wir sehr selten einen bewölkten Himmel und praktisch keinen Regen
  • die zahlreichen Eindrücke in eine für uns doch sehr fremde Kultur
  • die interessanten Gebäude insbesondere im Süden, die auf eine uns fremde Weise gebaut wurden, und die Medinas, in denen man unendlich viel sehen und kaufen kann
  • der freundliche und entspannte Umgang auf der Straße (insbesondere für Tom als Haupt-Fahrer)
  • die ausgesprochen guten Internetverbindungen fast überall
  • die schönen, ruhigen Plätze im Inland, wo Freistehen möglich war
  • die freundlichen Polizisten bei (Geschwindigkeits-)kontrollen
  • die im ganzen Land gefühlte Sicherheit

Als negativ haben wir empfunden:

  • die unglaublichen Müllmengen insbesondere immer dort, wo viele Menschen wohnen oder etwas verkaufen – Müllabfuhren scheint es außer im Norden Marokkos an der Mittelmeerküste nicht zu geben
  • die hiermit verbundene Vernachlässigung von Bauten, die nicht beendet und/oder gepflegt werden
  • die immer stärker werdende Trockenheit im Süden, verbunden mit viel Staub und damit, dass es keine grünen Pflanzen, geschweige denn Blumen gibt
  • die teilweise sehr schlechten, ausgefransten und mit Schlaglöchern übersäten überregionalen Straßen
  • die Tatsache, dass Radfahren für uns nur selten möglich war aufgrund fehlender halbwegs gut befahrbarer Straßen (und wegen der Tourenräder, die nicht für die marokkanischen Pisten geeignet sind)
  • die geringe Auswahl an Käse und Wurst und auch an wirklich frischem Gemüse und Obst (selbst die Apfelsinen und Mandarinen waren im Süden trocken)
  • die männlichen Jugendlichen, die ihre Kräfte an unserem Auto messen wollten, und die in manchen Gegenden zahlreichen bettelnden Kinder
  • dass an der gesamten Atlantikküste Freistehen nicht erlaubt ist.

Werden wir noch einmal nach Marokko reisen?

Sicher nicht im nächsten, vermutlich auch nicht im übernächsten Jahr. Vielleicht einmal später mit geländetauglichen Fahrrädern….und wenn eine Müllabfuhr installiert ist. Das kann also noch dauern!

An der nördlichen Atlantikküste Marokkos

Urlaubstage am Atlantik

Interessant beladene Fahrzeuge sehen wir auf der viel befahrenen Nationalstraße von Marrakesch nach Essaouira. Für die 160 Kilometer lange Route brauchen wir länger als gedacht. Es ist eine anstrengende Fahrt: Beim Überholen wird nicht geblinkt, überholt wird rechts oder links, Pferdefuhrwerke werden von Fahrrädern und Motorrädern überholt, die Fahrspur wird nicht eingehalten – es herrscht ein freundliches Chaos. Wenn man einmal schneller als 60km / h fahren könnte, kommt sofort eine Geschwindigkeitsbegrenzung mit Kontrolle.

„An der nördlichen Atlantikküste Marokkos“ weiterlesen

Von Taroudannt über den Tizi-n-Test nach Marrakesch

Taroudannt

Die Strecke nach Taroudannt führt uns wieder nach Norden, an Tiznit vorbei und weiter über kleinere schmale, teils ausgewaschene, staubige und löchrige Straßen. An einem Stausee mit etwas Wasser geht es vorbei, an Ziegen, die auf Bäume klettern und das wenige Blattgrün abfressen. Die Strecke erscheint uns elend lang und beschwerlich, nicht rechtzeitig sichtbare Querrillen und tiefe Schlaglöcher machen die Fahrt zu einem Höllenritt. Hinzu kommen männliche Jugendliche, die sich mit ihrem Fahrrad lebensmüde vor unseren Camper stürzen oder auch an den Fahrradträger hängen. Bei einer scharfen Bremsung fällt ein Junge herunter und rennt davon, in Bienes Heck prangt eine Beule. Wir haben die Nase voll von der heutigen Fahrt und sind froh, endlich in Taroudannt auf einem etwas abgelegenen Campingplatz anzukommen.

„Von Taroudannt über den Tizi-n-Test nach Marrakesch“ weiterlesen