Vom Apuseni- Gebirge nach Siebenbürgen

Mit dem kleinen privaten Campingplatz Calatorul im südlichen Teil des Apuseni- Gebirges, etwa 20 Kilometer östlich von Brad, finden wir einen wunderschön gelegenen, von Bergen und saftig-grünen Wiesen umgebenen ruhigen, terrassenförmig angelegten Platz mit herrlicher Aussicht. Wir sind zudem die einzigen Gäste des freundlichen niederländischen Gastgebers Matthias.

Von hier aus wagen wir die ersten Radtouren in Rumänien – was gar kein Wagnis ist, denn die gut ausgebauten Straßen weiter ins Tal hinein enden immer wieder nach etlichen Kilometern am letzten Haus als Schotterpisten und sind entsprechend wenig befahren. Die Häuser und Höfe entlang der Straße sehen hier im Apuseni häufig aus wie in ländlichen Gebieten Deutschlands vor 60 Jahren. Oft ist das Erdgeschoss gemauert, während die Giebelwand des oberen halben Stockwerks aus einfachen Spanplatten besteht. Zu jedem Haus gehören zwei oder drei Nebengebäude aus Holzbrettern oder -stämmen, die als Schuppen, Stall oder Heulager dienen.  Vor nahezu jedem Haus lagert Brennholz für den Winter, auf den Wiesen stehen Heuböcke. Die meisten Fassaden der Wohnhäuser sind hübsch oder auch kitschig verziert, und jedes Haus hat zumindest einen Gemüsegarten zur Selbstversorgung.

Den nächsten höheren Berg Bradisor erklimmen wir mit Mühe, geht es doch von 380m bis auf 870m steil bergauf. Die Aussicht ist von oben natürlich wieder grandios – trotz des getrübten Fernblicks!

Nach drei Nächten verlassen wir diesen Wohlfühlort, um weiter durch das Apuseni Gebirge zu fahren – über schmale, teils sehr gut ausgebaute, teils aber auch sehr kaputte, immer autoleere Bergstraßen. Eine Fahrt über Serpentinen, hinauf und hinunter, und immer tolle Ausblicke! Über Abrud/Großschlatten geht es nach Zlatna und Geoagiu, weiter über eine Schnellstraße nach Hunedoara/Eisenmarkt.

Buces Vulcan

Eine kurze Erklärung zu der Benennung der rumänischen Städte:

Die Städte in Siebenbürgen haben oft sowohl rumänische als auch deutsche (und oft auch ungarische) Namen. Der Grund dafür ist, dass sie im Mittelalter und in der frühen Neuzeit von deutschen Einwanderern gegründet und maßgeblich geprägt wurden. Die bekannteste Gruppe von ehemals deutschen Siedlern sind die Siebenbürger Sachsen, die bekannteste Stadt ist Sibiu/ Hermannstadt.

In Hunedoara/ Eisenmarkt

Die industriell geprägte, nicht weiter sehenswerte Stadt Hunedoara/ Eisenmarkt durchqueren wir rasch, um zu der auf einem Kalkfelsen gebauten, riesigen und ehemals bedeutenden Burganlage Hunedoara, auf rumänisch Castelul Corvinilor, zu gelangen. Da das Thermometer auf unserem Parkplatz draußen gegen 17 Uhr immer noch 33 Grad, im Camper 38 Grad zeigt, laufen wir zunächst direkt zur Burganlage.

Auf der Süd- und Ostseite umschließt ein tiefer Festungsgraben die Burg. Über eine Holzbrücke gelangt man durch das Tor und in den mit Katzenkopfsteinen gepflasterten Burghof. Man erkennt in den vielen Anbauten und Erkern die unterschiedlichen Bauphasen zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert. Auf den Südturm der Anlage kann man hinauf steigen.

Im Anschluss an die Besichtigung machen wir – leider zu spät – die Erfahrung, dass eine Vorspeise für zwei Personen hier so groß und sättigend ist, dass man keine Hauptspeisen mehr zu bestellen braucht.

Vorspeise

Nach einer Nacht auf dem Parkplatz nahe der Burg geht es nun an neu erbauten extravaganten, aber hier keinesfalls ungewöhnlichen städtischen Wohnhäusern vorbei hinaus aus Hunedoara, auf schmalen Straßen über Petrosani in Richtung Transalpina in die Karpaten.

Die Straße 7A wird zunehmend schmaler, links fließt ein Gebirgsbach, rechts begrenzen hohe Felsen mit ein paar Überhängen und saftig- grünen Nadel- und Laubbäumen die Straße. Eine schöne Strecke – allerdings sind die entgegen kommenden rasenden LKWs ziemlich beängstigend. Glücklicherweise begegnet uns keiner in einer der sehr engen Haarnadelkurven, so dass ein Ausweichen immer möglich ist.

Auf 1589m haben wir die Passhöhe erreicht und biegen nicht direkt auf die Transalpina ab, sondern wählen die Straße südlich des Lacul Vidra. Hier wird klar, warum auf der bisher gefahrenen Strecke solch ein reger LKW-Verkehr herrscht. Auf etwa 10 Kilometer Länge wird die ehemals schmale Straße am See zu einer Rennstrecke ausgebaut – bestimmt erfreulich für die rumänischen Autofahrer*innen, die auf jeder noch so unübersichtlichen Strecke und vor jeder Kurve überholen.

Auf einen schönen Nachtplatz am See hoffen wir hier vergebens: Bäume versperren nahezu jede Sicht auf das – allerdings auch wenig Wasser beinhaltende – künstliche Gewässer. Am Ende des Stausees wird die Nacht zumindest ruhig und sternenklar.

Die Fahrt über die vielfach beschriebene Transalpina am nächsten Tag ist enttäuschend: Fichten an steilen Hängen, Fichten an weniger steilen Hängen, Ausblicke lediglicjh auf Bäume und ein zweiter nahezu komplett leerer Stausee. Lediglich am Staudamm können wir einen Blick in die Ferne – und auf eine Menge Nippes-Verkaufsbuden werfen. Hier essen wir – neben etlichen anderen (Motorrad-) Touristen – die erste Clătite mit Schinken und Käse – köstlich!

Auf dem Weg aus dem Wald in die Stadt Iulia Alba/ Karlsburg haben wir das Glück, an einer gut fließenden Quelle noch Wasser tanken zu können. Somit ist die Wasserversorgung für die nächste Woche gesichert.

In Alba Iulia

Iulia Alba begrüßt die Besucher*innen am 12.September mit viel Autolärm und lauter Musik: Zwischen den Festungsmauern findet eine Show statt, in der stolze Besitzer ihre aufgemotzten Oldies und deren überdimensionierte Musikanlagen präsentieren. Dabei darf der entsprechende Sound (von Motoren und Musik) natürlich nicht fehlen. Wir schauen und staunen, gibt es doch Fahrzeuge, die anscheinend fast ausschließlich aus Lautsprechern und PS  bestehen.

Alba Iulia: Zwischen den Mauern

Alba Iulia gehört zur Region Siebenbürgen. Die Stadt wurde seit der Römerzeit vielfach komplett zerstört und immer wieder neu aufgebaut, nach der letzten Zerstörung durch die Türken in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde unter Karl IV nach der Einebnung vieler Bauten schließlich die siebeneckige Festung im Stile Vaubans erbaut. Besondere Bedeutung erlangte die Stadt durch den Vertrag von Trianon, in dem die Einheit Großrumäniens 1918 beschlossen wurde.

Heute hat sich die Stadt natürlich weit über die Festungsmauern ausgebreitet, für uns ist jedoch vor Allem die Festung interessant, die die im 18. Jahrhundert entstandenen Prunkbauten wie eine mehrschalige Zwiebel mit ihren dicken Mauern und Bastionen einschließt.

Zwischen den Wällen – deren Mauern insgesamt über 10 Kilometer lang sind –  befindet sich ein breiter Streifen aus Grünflächen, Radweg und Fußgängerareal, der von der Gastronomie genutzt wird für zahlreiche Gartencafés und Imbisse. An diesem Nachmittag herrscht hier noch fast gähnende Leere, doch die Vorbereitungen lassen große Feiern am Abend erahnen. Wir finden aus diesem Ring kaum noch heraus, da immer wieder zusätzliche Festungsmauern den Überblick verlieren lassen.

Durch ein äußeres Tor, über eine Brücke und durch das Tor des prunkvollen Glockenturms der Krönungskathedrale gelangt man in die Festung und unmittelbar auf den begrünten und mit Bogenarkaden umschlossenen Innenhof der Anlage vor der Krönungskathedrale. Hierin finden heute mehrere Hochzeiten statt, am morgigen Sonntag ein „Außengottesdienst“, bei dem wir nicht stören werden.

Krönungskathedrale

Wir schlendern durch das im Inneren des Festungssterns gar nicht so große Areal, sind allerdings von den barocken Prunkbauten nicht so angetan wie von der Festungsanlage selbst, der Stimmung der Menschen und den zur Schau gestellten Autos.

Sonntag ist Waschtag: Im Anschluss an die kurze Fahrt nach Sibiu/ Hermannstadt suchen wir erst einmal einen Waschsalon mit Trockner auf. Drei Maschinen voll zu waschen und zu trocknen dauert mehrere Stunden, und abends fahren wir nur noch in einen großen Park fünf Kilometer südlich von Sibiu, um hier einen Nachtplatz zu finden. Außer uns stehen hier lediglich noch zwei weitere Camper in weitem Abstand. Ab und zu kommt ein PKW, dessen Insassen ebenfalls hier übernachten – anscheinend mögen Rumänen dieses „Minicamping“, vor Allem an den Wochenenden. Der Platz ist für die nächsten Tage und Nächte wie geschaffen: Ruhig, weitläufig, ideal gelegen. Von hier aus kommt man mit dem Fahrrad durch den Grünstreifen fast bis in die Stadt.

In Sibiu/ Hermannstadt

13.-17. September

Am Morgen besucht uns eine riesige Herde Schafe; die Hütehunde sind wider Erwarten freundlich und neugierig, aber nicht bissig. Nachdem die Schafe weiter gezogen sind, machen wir uns auf den Weg in die Stadt, die als eine der schönsten in Siebenbürgen gilt. Sie wurde bereits im 12. Jahrhundert gegründet und ist ein Zentrum der Siebenbürger Sachsen. Hier sprechen recht viele Menschen deutsch.

Von den noch erhaltenen Resten der Stadtmauer mit mehreren Türmen ausgehend erkunden wir die Stadt. Viele Plätze gibt es hier! Die Piaţa Mare, der Große Ring, ist riesig. Am Platz liegt das reich verzierte Rathaus, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Tauben flattern in Scharen umher, ansonsten ist der Platz erstaunlich leer. Die Piaţa Mica, der kleine Ring, liegt einen Bogengang weiter, und auch auf diesem Platz fallen die zahlreichen Bogengänge im Erdgeschoss der Häuser auf. An der Piaţa Huet befinden sich besonders schöne und reich verzierte Gebäude und die Evangelische Pfarrkirche.

Kleiner Ring

Aus vielen Perspektiven fällt der Blick auf die Stadtpfarrkirche, deren Kirchhof von wunderschönen Gebäuden umgeben ist. Wir sitzen im Café und schauen dem Spiel zahlreicher Kinder zu.

Auf den Turm der Pfarrkirche gelangen wir über 700 steile Stufen. Von hier können wir die ganze Stadt überblicken.

Ansonsten blickt die Stadt durch viele hundert Augen auf uns: Die als Wächter der Stadt bekannten Fledermausgauben vermitteln den Eindruck, man würde leicht misstrauisch beobachtet. Auffällig ist, dass in der gesamten Stadt keine Polizei zu sehen ist, die Augen tun also ihren Dienst. Allerdings ist jede Ecke mit Überwachungskameras ausgestattet.

Die Lügenbrücke verläuft über die Straße von der Oberstadt in die Unterstadt. Man erzählt, dass jede auf ihr ausgesprochene Lüge durch unmittelbar abbröckelnden Putz an den umgebenden Hausfassaden entlarvt wird. In letzter Zeit haben wohl nicht so viele Menschen gelogen… oder es ist Vieles restauriert worden!

Lügenbrücke Seht ihr die beobachtenden Augen?

Nach einem Blick in die wunderbar farbenprächtige Orthodoxe Kathedrale radeln wir durch die Unterstadt, die deutlich weniger restauriert, aber dennoch charmant wirkt. Danach flanieren wir in der langen Einkaufsstraße Strada Nicolae Balcescu / Heltauergasse, essen Crepes und Eis mit Riesenkugeln. Erschöpft von so vielen schönen Stadt-Eindrücken radeln wir – den ersten Kilometer zwischen rasenden Autos, danach über breite Radwege durch Grünanlagen – zurück zu Biene.

Noch ein Freilichtmuseum

Der Eingang des Astra-Freilichtmuseums mit über 350 historischen Bauten liegt nur 1,5 Kilometer von unserem Stellplatz entfernt innerhalb einer idyllischen Grünanlage mit Wasserlauf, See, Hügeln, Gemüse- und Blumengärten und kleinen Feldern. Schnell wird klar: Nicht alle Bereiche des Museums können an einem Tag erlaufen und besichtigt werden. So wandern wir „nur“ über den Mühlenweg mit allein über 25 Wassermühlen, die als Getreide-, Stampf-, Schmiedemühlen und für andere Zwecke genutzt wurden. Etwas höher liegen Wohnhäuser, die teilweise noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts genutzt wurden. In die Häuser kommt man nicht, lediglich durch Fenster und Türen gewähren Holzgitter einen Einblick. Einen Eindruck der bäuerlichen und frühen industriellen Lebensweise kann man gewinnen; leider sind viele Gebäude komplett verschlossen oder / und Erklärungen fehlen weitgehend. Interessant: Im Sommer stand wohl ein Bett auf der nahezu immer vorhandenen Terrasse, sodass man an der frischen Luft ruhen oder schlafen konnte.

Am Tag darauf sehen wir dann ebensolche Häuser, die wir gestern im Freilichtmuseum besichtig haben, in der Realität in den Dörfern, die auf der Radtour im Süden von Sibiu liegen – die sind allerdings noch bewohnt.

Radtouren in und um Sibiu

Es ist nicht ganz einfach, in dieser Umgebung Rad zu fahren! Radwege gibt es offenbar in und um Sibiu, und sind zu einem Teil zweispurig ausgebaut, wobei sie manchmal breit und glatt asphaltiert, sogar grün markiert, dann wieder schmal und ungepflegt sind. Schwierig ist es manchmal, auf einen solchen Radweg zu kommen, da sie von der Straße durch breite oder tiefe Gräben getrennt sind und es wenig Möglichkeiten gibt, diese zu überqueren. Manchmal ist so ein nur durch Markierungen abgetrennter Radweg keine 80cm breit, führt auf der stark befahrenen Straße entlang oder endet unvermittelt auf einer befahrenen Straße oder auf einem Schotterpfad.

Autofahrer*innen halten zwar meist Abstand, fahren aber sehr schnell am Fahrrad vorbei, auch wenn man auf der Straße radeln muss. Da wir nicht gerne kilometerlange Schotterpisten fahren, sind viele Strecken Hin- und Rückwege, da die schmaleren asphaltierten Straßen im Nirgendwo enden. Gerät man doch einmal auf eine längere Piste, begegnen einem eventuell Hunde, die bellen und drohen zu beißen – da hilft nur Stehenbleiben und Schieben, oder, ganz selten, ein Pfefferspray. Die Komoot-App ist in Rumänien bisher nur bedingt hilfreich gewesen, da etliche Straßen und Wege nicht bzw. falsch eingezeichnet sind. Hier herrscht noch viel Verbesserungsbedarf!

Radtour im Süden von Sibiu

Bevor wir Hermannstadt verlassen, radeln wir eine große Runde südlich der Stadt. Die Tour führt uns vor Allem durch kleine, ärmlich wirkende Straßendörfer und viel Natur. Immer wieder führen Strecken auf Schotterpisten und trockene Lehm- und Waldwege, manchmal kehren wir um, manchmal befahren wir diese Wege. Einmal landen wir in einem Dorf am „Ende der Welt“, hier endet die befahrbare Piste. Dunkelhäutige Menschen schauen uns – anders als bisher in Rumänien – misstrauisch und neugierig an, das Fotografieren wird uns verboten, es herrscht eine etwas unheimliche Stimmung, wie sind ganz offensichtlich nicht willkommen. Später erfahren wir, dass im Dorf Prislop über 90% Roma leben. Wir drehen zügig um und fahren zurück über eine andere Route.

Anstrengende Pisten… und hübsche Kirchen(ruinen)

Morgen geht´s raus aus Sibiu und auf die Transfaragasan!

Von Niederösterreich bis nach Rumänien

An der Donau

27.-29. August

In Rossatzbach an der Donau finden wir einen angenehmen, von einem freundlichen Paar geführten Stellplatz mit Ver- und Entsorgung. Es wird uns trotz anderweitiger Reservierungen ermöglicht, im Schatten unter Bäumen zu stehen – nur so lässt sich die spätsommerliche Hitze aushalten.

Von hier aus erradeln wir bei 32 Grad die Wachau, eine malerische Landschaft zwischen Melk und Krems. Wein, Äpfel und Marillen(marmelade) gibt es hier im Überfluss.

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Herbstreise 2026 nach Rumänien

Nach langen Monaten geht wieder los auf eine große Reise!

In den nächsten Wochen wollen wir die Wärme in den hiesigen Breitengraden noch nutzen. Nach vielen Wochen Trockenheit regnet es allerdings am Abfahrtstag.

Über Quedlinburg nach Leipzig und ins Elbsandsteingebirge

18.- 22. August

Den ersten Stopp mit Übernachtung machen wir in Quedlinburg. Das hübsche Städtchen am nördlichen Harzrand ist einen ausgiebigen Rundgang wert. Die kopfsteingepflasterten Gassen und die vielen, oft mehrere Hundert Jahre alten Fachwerkhäuser sowie der Schlossberg mit der Stiftskirche sind sehr sehenswert.

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Von Bourges in die Bourgogne

Zwei Tage in Bourges

Der Campingplatz in Stadtnähe von Bourges bietet Wasser und Grauwasserablass sowie eine schöne warme Dusche und genügend Platz um Biene herum für 12,60€/Nacht. Stadtnah gelegen, hört man doch nur morgens ein wenig den Verkehr der nahe gelegenen Hauptstraße.

Nach dem Regentag genieße ich die sich immer stärker durchsetzende Sonne und laufe die etwa 1,5 Kilometer in die Innenstadt. Die Kathedrale Saint Étienne ist schon von Weitem zu sehen und ragt hoch über die anderen städtischen Gebäude hinaus. Seit 1992 gehört sie dem UNESCO- Weltkulturerbe an.

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Frühlingsreise in die Mitte Frankreichs

Endlich wieder mit Biene unterwegs!

Im letzten Jahr waren wir nur für zwei Wochen in den Niederlanden, was kaum einen Bericht wert war. Nun geht es endlich wieder los, nach Frankreich, zunächst über Belgien, danach werden sich Ziele ergeben…

Momentan sitze ich nach zwölf Tagen mit schönstem Frühlingswetter auf einem preiswerten Campingplatz in Bourges in der Region Centre-Val de Loire in der Mitte Frankreichs. Hier kann ich den heutigen Regentag verbringen, eine gute Gelegenheit zum Schreiben. Also der Reihe nach:

Durch Belgien zur Maas

2.März 

Die Fahrt führt an Köln und Aachen vorbei nach Raeren, direkt hinter der Grenze gelegen. Hier finde ich am alten Vennbahnhof ein ruhiges Plätzchen für die Übernachtung.

Da es noch früh am Nachmittag ist, kann ich die Umgebung erkunden und nach „Altbekanntem Ausschau halten“. Ein Spaziergang führt um das Dorfgebiet herum über die mit vielfältigen Durchgängen abgesicherten Weiden zur Burg Raeren, einer befestigten Wohnanlage mit Wassergraben aus dem Mittelalter. Heute beherbergt die Anlage ein Töpfereimuseum. Nebenan steht das Haus Raeren, ein mittelalterlicher Wohnturm, der fast noch in ursprünglicher Form erhalten ist.

Burg Raeren

Auf der Straßenseite gegenüber der Burg befindet sich eine der typischen langen, zur Straße quer stehenden Häuserreihen, das Haus Zahlepohl. Dort, wo sich heute die Verwaltung des Museums befindet, war für einige Jahre mein Zuhause. Der Garten ist einem Parkplatz und dem Café gewichen, doch die Eternitplatten an der Straßenseite des Häuserblocks sind immer noch dieselben wie vor über 40 Jahren!

Haus Zahlepohl

3.- 4. März

Nach 150 Kilometern Fahrt erreiche ich Dinant, eine Kleinstadt an der Maas in Wallonien. Sie ist unter Anderem bekannt als Geburtsort des Erfinders des Saxophons, Adolphe Sax. Das sehe ich auch auf jeden Schritt bei meinem ersten Stadtrundgang. Vom hundert Meter oberhalb des Stadtkerns gelegenen Parkplatz neben dem Sportzentrum geht es in steilen Kurven hinunter in die Stadt. Auf jedem Platz, an jeder Ecke stehen riesige Saxophone aus Holz, Plastik oder Gips, und die über die Maas gespannte Brücke ist auf beiden Seiten mit den farbig ausgestalteten Instrumenten geschmückt.

Auf dem Felsen über der Stadt ragt die Zitadelle auf. Nach dem kleinen Rundgang steige ich 408 steile Stufen hinauf, um in die Festung zu gelangen – dieser Frühsport reicht für den ganzen Tag. Glücklicherweise kann ich etliche lohnende Fotopausen einlegen.

Blick von der Festung auf Dinant

Im Innern der Festung sind einige der früheren Räumlichkeiten rekonstruiert und exemplarisch dargestellt. Als besonders beeindruckend erweist sich für mich die Ausstellung zum Überfall von deutschen Divisionen zu Beginn des 1. Weltkrieges im Juli/ August 1914. Bei dem sogenannten Massaker von Dinant zerstörten deutsche Truppen bei ihrem Durchmarsch nach Frankreich dreiviertel der Stadthäuser und töteten über 670 Zivilisten. Von August bis Oktober kamen im umliegenden Gebiet über 5500 Zivilisten durch deutsche Soldaten ums Leben. Die Ausstellung hierzu lässt in erschütternden, teils dreidimensional gestalteten  (bewegten) Bildern und akustischen Zeugnissen ein wenig die Schrecken dieser Taten nachvollziehen. Leider lässt sich das hier nicht bildlich darstellen – fahrt mal hin und schaut euch die Ausstellung an!

4.-7. März

Nur gut 30 Kilometer weiter finde ich einen schönen Stellplatz im französischen Vireux-Molhain am Ufer der Maas. Der Platz war offenbar noch vor Kurzem überschwemmt, da die beiden Wohnmobile, die nach mir ankommen, auf der Wiese stecken bleiben, während ich Biene durch die Matsche dank des 4×4- Getriebes auf ein Stück festeren Untergrund bewegen kann. So kann ich einen schönen Blick zum Fluss hinüber genießen.

Von hier aus unternehme ich an den folgenden Tagen zwei Radtouren, die nicht besonders interessant sind – es geht auf dem sehr breit und glatt ausgebauten Voie verte trans Ardennes überwiegend am Fluss entlang. Langsam gewöhne ich mich wieder ans Radfahren und kann die frühlingshafte Natur genießen. Die Forsythien und Magnolien blühen, viele Bäume zeigen einen ersten hellgrünen Schleier, es summt in der Luft und riecht nach der erwachenden Natur. Am Geruch erkenne ich den im Wald neben dem Weg üppig wuchernden Bärlauch und pflücke mir mein Abendessen.

8.-10. März

Nach drei Tagen habe ich genug von der Maas und bewege Biene in Richtung Nevers. Einen nächtlichen Zwischenstopp mit Spaziergang durch das recht verlassen wirkende Dorf gibt es in Saint-Julien-de-Sault.

Über größere, kleinere und ganz schmale mautfreie Straßen fahre ich gemütlich bis Nevers. Die Umgebung wird nun hügeliger und immer grüner.

In Nevers

Der Stellplatz liegt direkt an der Brücke auf der der Stadt gegenüber liegenden Seite. Er kostet 13€ pro Nacht und ist trotz der Stadtnähe recht ruhig. Er ist etwa zu einem Drittel belegt, bietet Wasser und Abwasserentsorgung und nach Belieben auch Stromanschlüsse. Letztere brauche ich nicht, mit der Frühlingssonne erzeugt Biene genug Strom.

Stellplatz in Nevers
Blick vom Stellplatz auf die Loire und Nevers

Die Sonne scheint warm, so dass ich gleich nach der Ankunft eine Radtour entlang der Kanäle, an etlichen Schleusen vorbei über die Kanalbrücke von Guétin bis nach Aprémont-sur-Allier unternehme. Welch ein Glück, bei Sonne am Wasser entlang zu radeln! Spannend ist die Brücke, die einen Seitenkanal der Loire über die Allier führt. Sie ist schon fast 200 Jahre alt und 343m lang. Am Bec d´Allier strömt der Fluss Allier mit Macht in die Loire.

Mündung der Allier in die Loire

Das kleine Dorf Aprémont-sur Allier trägt zu Recht den Titel „eines der schönsten Dörfer Frankreichs“. Schmucke, gepflegte hellgraue Steinhäuser mit Dächern aus Ton oder Stein erinnern mich an die beschaulichen Dörfer in Cornwall. Nicht alles ist hier allerdings so alt wie es scheint: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ließ der Hüttenmeister Eugène Schneider fast alle Häuser des Dorfes restaurieren oder gar abreißen und neu im mittelalterlichen Stil des Berry erbauen. So entstand die heute zu besichtigende, gelungene Einheit aus Dorf und Schloss.

In den Gärten blühen die ersten Sträucher, die Hecken sind frisch gestutzt. Nur wenige Häuser scheinen bewohnt zu sein, und so begegne ich  – trotz des Sonntags – kaum einem Menschen. Es ist wohl auch noch zu früh im Jahr, denn leider sind Anfang März weder das auf dem Hügel über dem Dorf thronende Schlösschen noch der Parc floral zugänglich. So genieße ich das Pausenbrot auf einer Bank am Fluss. Zurück geht es über leichte Hügel, vorbei an blühenden Hecken und kleinen Privatschlössern.

Eine weitere Radtour führt in den Westen der Stadt Nevers, über Wiesenwege durch Naturschutzgebiete und schmale Straßen zum Bec d´Allier, an Kanälen entlang wieder zurück. Die Häuser am Wegesrand sehen unbewohnt und  heruntergekommen aus.

Ein Stadtrundgang durch die ehemals bedeutende, als „Stadt der Künste und der Geschichte“ geltende Stadt Nevers steht noch aus. Vor 12 Jahren war ich schon einmal in Nevers und habe gute Erinnerungen an die Altstadt. Die Erwartungen sind also hoch. Allerdings bestätigt sich hier der Eindruck, den ich von der ländlichen Umgebung schon gewonnen habe: Bis auf ein paar „Prachtbauten“, bei denen zumindest die Sichtseite restauriert und ansehnlich ist, wirken viele Häuser ungepflegt, unbewohnt oder dem nahenden Verfall preisgegeben. Von den hölzernen Schlagläden blättert die Farbe ab, von den Hauswänden der Putz. Wie enttäuschend! Der „Fil Bleu“, eine blaue Leitlinie, die Touristen auf ihrem Gang durch die Stadt geleiten soll, ist verblasst, vielerorts nicht mehr zu sehen. Das entspricht wohl dem Gesamtbild.

Und: Auf knapp fünf Kilometern durch die Stadt finde ich keine einzige Boulangerie – die sind wohl auch ausgestorben!

Palais Ducal mit Platz der Republik

Da bleibt mir nichts anderes übrig, als die Monumentalbauten anzuschauen, durch die Gassen der Altstadt zu schlendern sowie einen Blick in die Kathedrale Saint-Cyr et Sainte-Julitte zu werfen. Diese wird zur Zeit renoviert und ist nur zu einem Drittel zugänglich – die bunten, in einem Farbenrausch erstrahlenden Fenster entschädigen das. Diese Fenster wurden nach der Zerstörung der Kathedrale im Juli 1944 und nach dem Wiederaufbau von verschiedenen Künstlern 1977-2011 gestaltet und sind sehr beeindruckend.

Kathedrale Saint-Cyr-et-Sainte-Julitte

Am folgenden Tag geht die Reise weiter nach Bourges, in die Hauptstadt des Départements Cher.

Aus dem Süden Spaniens zurück nach Deutschland

31. Januar – 2. Februar

Den herrlichen Klippenstellplatz an der Cala Blanca kennen wir schon von der Hinfahrt – vor wenigen Wochen waren wir nur drei Buchten weiter. Nun stehen wir ganz oben auf dem Felsabsatz und können zu den Buchten hinunterwandern.

Das mache ich auch, während Tom die Umgebung mit dem Fahrrad erkundet und durch den Parque Regional de Cabo Cope zum Mirador hinaufradelt. Endlich ist es so warm und sonnig, wie es sich für eine spanische Küste im Winter gehört.

Mich zieht es nach Westen an der Küste entlang in Richtung des Cabo Cope, den Sendero del Mediterraneo nach Südwesten kenne ich schon vom letzten Aufenthalt im Dezember. Auf dem Weg zum Cabo Cope gibt es nicht mehr viele Steigungen, stattdessen erstrecken sich hier landwirtschaftliche Anpflanzungen von Gemüse und Salaten bis nahezu ans Meer. Hotelbauten oder Ferienwohnungen gibt es hier nicht. Gräser und Bambus stehen am Wegesrand, nur vereinzelte kleine Blumen blühen.

Nachmittags besuchen wir die Höhlenwohnungen in der Cala Blanca. Sie sind recht geräumig, und die Unterteilung in verschiedene Funktionsbereiche ist noch gut erkennbar. Die folgenden Buchten nach Osten bis zur Playa de Los Hierros sind einsam und ruhig, sie sind mit dunklem Sand oder Kies überspült und mit Auto nicht zu erreichen.

2. Februar

Bei warmem Sonnenschein legen wir heute eine lange Reisestrecke über die wunderschöne aussichtsreiche Bergstrecke bis Mazzaron und schließlich bis Quesa kurz vor Valencia zurück. Nachmittags schlendern wir durch den kleinen Ort zum Kalvarienberg – zum Radfahren ist es hier, nicht mehr an der Küste, sondern in einer der zahlreichen Bergregionen, zu kühl.

Blick vom Kalvarienberg nach Osten

Nach einer ruhigen Nacht am Sportzentrum in Quesa setzen wir die Fahrt durch die bergigen Regionen im Südwesten von Valencia fort. Bis nach Millares sind es nur 25 Kilometer, über die glatt asphaltierte, schmale serpentinenreiche steile Straße dauert die Fahrt einige Zeit. Bis auf eine Hochebene auf 560m Höhe geht es hinauf, bevor wir nach Millares wieder hinunter fahren. Immer wieder halten wir an, um zu schauen, zu staunen und zu fotografieren. Was für eine grandiose Landschaft!

El Chorrador del Bosque, den 65m hohe Wasserfall im Barranco del Nacimiento hinunter in die Schlucht des Flusses Jucar, will ich erwandern, während Tom die schmale, sauber asphaltierte Straße erradelt. Der kleine Ort Millares lehnt am Berghang, gegenüber thronen die Reste des Castillet von Millares. Hier führt der schmale Pfad zum Wasserfall vorbei. An der Molino de los Moros ist eine Kiefer fast umgestürzt, daneben beginnt der Abstieg über eine wenig vertrauenswürdige, völlig marode und letztendlich abgestürzte Betontreppe – und endet nach etlichen Stufen an einem abenteuerlichen Abbruch. Den Wasserfall kann ich leider nicht erreichen und muss umkehren. Im weiteren Verlauf des Wanderweges durch den Barranco del Nacimiento – heute ein schmaler Bach – sind verheerende Verwüstungen zu erkennen, zu denen der Starkregen im Herbst geführt hat. Bäume sind ausgerissen, Bambus weggespült, und Brücken und Straßenabschnitte liegen hier noch in Trümmern im Bachbett und auf dem Weg.

Durch Millares, eine nicht weiter sehenswerten Stadt, laufe ich oberhalb des Ortes über einen kaum auffindbaren Bergpfad zur Biene, die an einem wunderschönen spanischen Friedhof steht. Hier übernachten wir heute.

4. Februar

Sonnig, aber zu kühl zum Radfahren ist es zumindest mir hier in den Bergen, und so verabschieden wir uns aus dieser wunderschönen Gegend, in der es doch so viel mehr noch zu entdecken gäbe. Bis Dos Aguas folgen wir der Schlucht des Jucar und seinen Zuflüssen, phänomenale Blicke bieten sich auch auf diesem Weg, so dass wir immer wieder anhalten.

Dos Aguas

Bis auf 560m führt die Strecke auf eine Hochebene hinauf, die schmale Straße weist kein einziges Loch im Asphalt auf und ist rennradgeeignet. Erst vor Real  befinden wir uns wieder im Tal, Obst- und Mandelbäume zieren die Wegesränder. In El Catllar kurz hinter Tarragona finden wir einen geeigneten Übernachtungsplatz an einem Flussbett. Bevor es dunkelt, ist noch ein Spaziergang durch den Ort mit Burg, mit diversen interessanten lost places und in die Umgebung möglich. Ein schönes altes Viadukt, das vor langer Zeit mit Bouldergriffen versehen wurde, befindet sich ganz in der Nähe.

5. Februar

Ein Tag, an dem nichts so klappt, wie wir es uns wünschen. Die Handy-Mobilverbindung ist stundenlang gestört, der Einkauf im Supermarkt dauert Stunden, obwohl wir früh unterwegs sein wollen. Um Barcelona herum ist die Autobahn so voll, dass die Fahrt gefühlte Ewigkeiten dauert und wegen der aggressiven Fahrweise der LKW´s nervenaufreibend ist. Letztendlich landen wir am frühen Nachmittag in Vallgorguina. Eine Wanderung zu den Dolmen de Pedra Gentil ist uninteressant und führt ohne Ausblicke und ohne Sonne immer nur bergauf bzw. bergab. Als ich zurück zu Biene komme, ist die Tür halb offen, die Treppe ausgefahren – hat wohl jemand vergessen abzuschließen. Zum Glück fehlt nichts! Zu guter Letzt geht beim Kochen das Gas aus, und bei Eiseskälte und im Dunkelheit muss Tom die Gasflasche tauschen.  Was für ein Tag!

6. Februar

Ein größerer Sprung von knapp 170 Kilometern, und schon sind wir nicht nur in Frankreich, sondern westlich von Perpignan in Ille-sur-Tet. Vom Parkplatz bei den Orgues, ganz besonderen Gesteinsformationen, laufen wir über einen etwa 800m langen Weg durch das Flusstal zweier Gebirgsbäche, die sich hier vereinen und bei Hochwasser den Weg unbegehbar machen. Das Gebiet der Orgues öffnet sich wie ein Theaterhalbrund. Es besteht aus zehn bis zwölf Meter hohen, aneinander gereihten oder auch vereinzelt stehenden Säulen aus Sandstein. Sehr empfindlich gegen jede Art von Erosion sind diese sogenannten Feenkamine, sie verändern sich mit jedem Regenguss. An den flacheren Hängen gibt es Einschnitte in Form vieler Orgelpfeifen. Diese besondere Landschaft gilt als Kulturerbe und steht seit 1981 unter Schutz. Das Gebiet ist nicht besonders groß, aber faszinierend anzusehen. Es erinnert an die Bardenas Reales südlich von Pamplona, bizarre Gesteinsformen aus Sand- und Kalkstein und Lehm.

Nach dem Besuch dieses sehenswerten Naturmonuments geht es endgültig und zügig auf die Heimreise. Bei Agde übernachten wir auf dem Aire de Veyrac, einem schönen kleinen Privatstellplatz, in der Nacht danach an der Saone bei Seurre. Am 8. Februar verbringen wir den Abend auf einem Stellplatz auf dem Weingut Weber in Ettenheim und lassen den Tag und die Reise im dazugehörigen hervorragenden Restaurant ausklingen.

Auf dem Weg zurück nach Sevilla und durch den Süden Spaniens

23. Januar: Durch die Extremadura

Schweren Herzens verlassen wir Monsaraz und das Zentrum des Alentejo. Die Wetterprognose sagt zehn Tage mehr oder weniger viel Regen und viel Wind sowie kühle Temperaturen voraus, und in einer Woche müssen wir uns sowieso auf den Heimweg machen.

Bei Regenwetter überqueren wir die Grenze nach Spanien und folgen der Landstraße durch die Extremadura. Hier fängt für uns Neuland an, und wir sind entzückt von der Landschaft. Saftig grüne Wiesen, die zur Zeit teilweise unter Wasser stehen, darauf große Steineichen und viele schwarze Schweine, die sich hier satt und rund fressen können, ab und zu ein paar Rinder mit großen Hörnern. Die Wiesen werden durch steinerne Mauern voneinander getrennt, Reiher fressen in den kleinen Seen und Bächlein Frösche und Fischchen. An den Hängen dieser schon sehr bergigen Gegend sieht man weiße Städtchen, ganz oben krönt eine Burgruine den Hügel. Einsam ist es hier, und bis Fregenal de la Sierra sehen wir kaum Autos. Bis Santa Olalla del Cala setzt sich diese schöne Landschaft fort. Orangen- und Zitronenbäume flanieren die Durchfahrtsstraßen in den kleinen Dörfern, die dadurch ein ganz besonderes Flair haben. Jeder Ort würde einen Halt lohnen, wenn das Wetter etwas trockener wäre!

23. Januar: In Sevilla

Was wir vor einem Monat versäumt haben, holen wir nun nach: Ein Besuch in Sevilla. Dank eines Tipps von Reisefreunden finden wir den nicht schönen, im Hafenindustriegebiet gelegenen, aber sicheren und nachts ruhigen, nicht teuren und relativ stadtnah gelegenen Stellplatz bei Stockauto Sur. In der Dämmerung laufen wir von hier aus noch über die Puente de las Delicias und weiter durch den Parque de Maria Luisa bis zur Plaza de Espana mit dem riesigen Gebäudekomplex des Cuartel General Fuerza Terrestre.

Plaza de Espana

Auf dem Rückweg bewundern wir den Pabellon Mudejar (heute Museum für Volkskunst und Brauchtum) und den Pabellon Real (heute Amtsgebäude), marokkanisch anmutende Bauten an der Plaza de América und zu Beginn des letzten Jahrhunderts konzipiert und erbaut.

Für den Vormittag des 24. Januar haben wir Eintrittskarten für den königlichen Palast in Sevilla gebucht. Damit wir alles in Ruhe ansehen können, schließen wir die Fahrräder, mit denen wir hergeradelt sind, mit 3 dicken Ketten an einem Verkehrsschild an – sind doch hier die Räder von Freunden gerade erst gestohlen worden. Später können wir sie unversehrt wieder abholen.

Die Palastanlage wird noch heute von der spanischen Königsfamilie bei Besuchen in Sevilla genutzt. Der Bau geht bis ins Mittelalter zurück, einige Mauern aus dieser Zeit sind noch erhalten. Ursprünglich als maurisches Fort angelegt, wurde der Palast im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und zeigt heute ein Sammelsurium verschiedenster Baustile, vor Allem aus Gotik und Renaissance.

Innenhof Alcazar

Auch die Gartenanlagen des Alcazar sind einen Besuch wert. Kleinteilig gegliedert geben die zahlreichen Mauern Schutz gegen die sommerlichen heißen Winde. Viele dekorative Details schmücken die Höfe und Wege, und die interessante Anlage der Wasserläufe erinnert uns an diejenigen im Alcazar in Granada.

Im Anschluss an den Besuch im königlichen Palast haben wir noch viel Zeit, durch diese beeindruckende Stadt zu schlendern. Die große Kathedale haben wir vor wenigen Jahren schon einmal ausführlich besichtigt, nun zieht es uns in die Gassen der Altstadt bis hin zu den Setas de Sevilla. Die Setas, wie der „Metropol Parasol“ genannt wird, ist eine Hybridkonstruktion aus Beton, Holz und Stahl des deutschen Architekten Jürgen Meier, die zwischen 2004 und 2011 errichtet wurde. Die Setas sind das neue Wahrzeichen von Sevilla und gelten als das größte Holzbauwerk der Welt (Infos aus Wikipedia). Aussehen, Standort und Baukosten führten zu öffentlichen Kontroversen – uns beeindruckt das Bauwerk.

Nachmittags freuen uns über eine Kaffeepause an der Kathedrale, radeln am Guadalquivir entlang,  am Torre del Oro vorbei und genießen die Gitarrenmusik am Studierendentreff vor der Puente de Isabell II mit Blick auf den Torre Sevilla.

25.-27. Januar: In Canillas de Albaida

Nach Stadt kommt Land: Die Reise geht Richtung Südosten weiter und wieder in die Berge, nach Canillas de Albaida bei Competa.  Einen wunderschön gelegenen Stellplatz gibt es oberhalb dieser kleinen Ortschaft, die wir vor zwei Jahren schon einmal mit dem Fahrrad von Torrox aus besucht haben.

Schon früh am Morgen starten wir zu einer kleinen Wanderung vom Stellplatz nach Competa. Der Weg führt nahezu eben am Hang entlang und bietet fortwährend prachtvolle Ausblicke in die umliegenden Ortschaften, in das von Avocado-Plantagen geprägte Tal und bis zum etwa 12 Kilometer entfernten Meer. Auf jedem Grundstück thront ein großer Wasserbehälter zum Wässern der Bäume und Sträucher.

Competa

Competa ist eine kleine weiße Stadt, sehr gepflegt und idyllisch, und gefällt uns ausnehmend gut. Das Zentrum mit der Plaza Almijara und der etwa 500 Jahre alten Kirche ist sonntäglich belebt, vor den Cafés sitzen Touristen und Einheimische beim Kaffee. An der rechten Außenwand der Kirche fällt der Paseo de las Traditiones ins Auge, schöne Mosaike, die in Bildern von der Geschichte dieser Stadt erzählen. Die Skulptur am Ende ist dem Fandango gewidmet.

Eine weitere kurze, aber steigungsreiche Wanderung mache ich am Nachmittag hoch hinauf über den Ort Canillas. Trotz der aufziehenden Wolken lohnt der Ausblick auf das nord- und westwärts gelegene Bergmassiv den anstrengenden Auf- und vor Allem Abstieg. Bergab wird der Weg nämlich schwierig: Abgebrannte, verkohlte und umgestürzte Pinienstämme versperren den Wanderweg, hinzu kommt eine Wegführung, die nicht (mehr) wie auf komoot, meiner Wanderapp, angegeben existiert. Nach etlichen Umwegen finde ich zurück zum Stellplatz.

27. Januar: Las Negras

Bei tief hängenden Wolken wachen wir auf, und bei dichtem Nebel mit Sichtweite unter 10 Metern fahren wir sehr, sehr langsam die kurvige Straße bis zum Meer wieder hinab. An der Küste lichtet sich der Nebel. Auf der Autobahn A7 geht es für uns weiter über 200 Kilometer nach Osten. Entsetzt schauen wir unterwegs zunächst auf das Meer von Touristenbunkern unmittelbar an der Küste, etwas später auf das Meer von Plastiktreibhäusern rund um Almeria. Flach, trocken und grau-beige-braun ist die Landschaft hier am Cabo de Gata. Dazu kommt heute ein enormer Sturm, der den Sand in Augen, Mund und Nase bläst, die Fenster unserer Biene einnebelt und das Aussteigen nahezu unmöglich macht.

Auf der Ostseite des Cabo de Gata wird die Gegend ansprechender – dazu gehört auch, dass die Küstenregion hier wieder bergiger wird. Las Negras wird in Reiseberichten als eine zum Wandern und Radfahren geeignete, ansprechende Umgebung beschrieben, und hier nisten wir uns für drei Nächte ein. Die erste Nacht verbringen wir noch vor dem überfüllten Campingplatz „Wecamp“, zwei weitere dann ziemlich beengt auf dem Platz zwischen Dauercampern und Glampinghütten.

Den Versuch, am nächsten Tag eine Fahrradtour zu unternehmen, muss ich nach vier Kilometern beenden, da mich der Wind mit 80 km/h umweht. Stattdessen laufe ich von Las Negras aus auf dem Küstenwanderweg Richtung Osten um den Cerro Negro herum – eine eintönige Strecke über grau-grün-beige, spärlich bewachsene wüstenartige Hügel bis zur Burgruine in San Pedro und auf gleichem Weg wieder zurück. 

Erst auf dem Rückweg bei Las Negras wird es wieder etwas abwechslungsreicher, die Bucht vor dem Campingplatz leuchtet blau in der Sonne.

Am 29. Januar lässt der starke Wind etwas nach, und wir fahren mit den Fahrrädern zur Isleta del Moro und weiter nach Südwesten bis nach Los Escullos im Parque Natural Cabo de Gata. Das Castillo liegt unmittelbar am Meer und ist auf einer stark zerklüfteten Kalksteinfelsformation gebaut. Die Anlage wurde in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut, ist allerdings Teil eines sehr viel älteren Küsten- Verteidigungssystems.

Auf der Rückfahrt entdecken wir bei einem Abstecher die Bateria de San Ramon bei Rodalquilar, ein ähnliches Verteidigungsbauwerk wie das gerade besichtigte und ebenfalls in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Wie San Felipe kann auch diese Anlage nur von außen besichtigt werden, doch interessanter als die Bauruine ist auch hier die Lage auf den zerklüfteten Sandsteinfelsen.  

30. Januar

Über kleine Straßen fahren wir über die AL 5106 nach Carboneras und folgen somit dem ausgeschilderten Radweg EV8. Vor dem Ort Carboneras befindet sich zunächst eine Beton- Industriezone und später eine sehr touristische, dicht bebaute Strandzone. Etwas weiter westlich beginnt eine einzigartige Bergstrecke über die AL 5107. Steile Serpentinen führen bis auf  200m hinauf, über in und an den Hang gebaute spektakuläre Straßenabschnitte mit perfekten Aussichten auf Berge und Meer bis zum Mirador de la Granadilla.

Hinunter geht es über Mojacar wieder am Meer entlang, hier ist alles dicht bebaut. Massen von Wohnmobilen stehen an der Küste, jeder freie Platz am Strand oder in den Ortschaften ist von mehreren Campern besetzt, oft sind es riesige Ansammlungen. Offizielle Stellplätze bilden an dieser Küste eine Ausnahme: Wer hier bleiben oder übernachten will, hat kaum eine Wahl.  

30./31. Januar: Playa de los Cocedores

Wir finden einen freien Nachtplatz auf einem dieser vielbevölkerten, oft illegalen, aber offensichtlich geduldeten Stellplätze an der Playa de los Cocedores. Die Sonne lässt das Blau in der Bucht erstrahlen, hell heben sich die umgebenden Sandsteinfelsen ab. Ein wenig klettern wir auf den umliegenden Hügeln herum, besuchen die Wohnhöhlen und schauen uns die riesige Ansammlung von Campern von oben an.

Am Morgen führt uns ein Spaziergang über die Klippen zur nächsten Bucht mit der Playa La Carolina in Richtung Aguilas. Wohnhöhlen gibt es auch hier, und aussichtsreiche Miradores über dem Meer.

Mittags verlassen wir diesen Platz, um nur 25 Kilometer weiter in eine weniger bevölkerte Klippenlandschaft in einer unserer Lieblingsgegenden zu gelangen.

Von der Algarve ins Alentejo bis zum Alqueva- Stausee

Von Salema aus machen wir einen eintägigen Abstecher nach Alvor, einem der malerischsten kleinen Ferienorte an der Algarve. Hier treffen wir uns mit Freunden, gehen in einem der zahlreichen ansprechenden Restaurants essen, schlendern durch das auch jetzt im Januar belebte Hafenstädtchen mit den weiß getünchten traditionellen Häusern und an der „Strandpromenade“ entlang. Über kilometerlange Holzstege, die Passadicos de Alvor, kann man durch die Dünenlandschaft des Naturreservats Ria da Alvor gehen.

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An der Atlantikküste nach Süden und an die Algarve

An der Westküste

Wir stehen gut auf dem Stellplatz bei Sao Teotonio und verbringen den ganzen Sonntag in Biene, denn es regnet stark und ohne Unterbrechungen. Montags lässt der Regen nach, so dass wir auf den Markt in Sao Teotonio gehen, um dort Gemüse und eine neue Pfanne zu kaufen.

Erst am 7. Januar ist das Wetter wieder sonnig und warm, so dass ich eine Wanderung von Zambujeira zum Cabo Sardao machen kann. Der Weg führt über die Rota Vicentina, den bekannten Küstenwanderweg, der mit blau-grünen Streifen immer gut gekennzeichnet ist. Er führt über die letzten sieben Kilometer ausschließlich an der Steilküste entlang, wo sich immer wieder tolle Blicke auf Klippen und Meer bieten.

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