Am 22. Mai fahren wir nach Brügge, der Hauptstadt Westflanderns im Nordwesten Belgiens. Auf dem stadtnahen Stellplatz gibt es noch einen freien Platz – für 30€ pro Nacht. Nicht billig, aber schön am Kanal gelegen und nur fünf Minuten Gehweg bis in die Innenstadt.
Dass Brügge im späten Mittelalter eine der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte des damaligen Europas war ist noch heute an den gut erhaltenen bzw. restaurierten prachtvollen Bauwerken innerhalb der Stadtmauern zu erkennen. Die Altstadt wird von Wallanlagen umgeben und von Kanälen durchzogen. Sie gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO- Kulturerbe.
Am 6. Februar reisen wir wieder in Spanien ein. Da es schon spät ist, übernachten wir am Hafen von Ceuta und fahren am folgenden Tag weiter nach Tarifa, dem südlichsten Punkt des spanischen Festlandes. Auf dem städtischen Wohnmobil-Stellplatz treffen wir die Luxemburger Reisefreunde wieder.
Stellplatz in Tarifa
In den nächsten Tagen warten wir gemeinsam den Regen und Sturm ab – und der kommt gewaltig. Fünf Tage bleiben wir hier. Der Platz ist zwar lehmig und voller Pfützen, doch in Gesellschaft von Freunden lässt es sich gut aushalten, und mit 8€ inclusive Wasser und Abwasser ist der Platz preiswert und nah am Strand gelegen.
Die kurzen Regenpausen nutzen wir für einen Strandspaziergang oder den schnellen Gang zum Einkaufen, Wäsche waschen oder Essen gehen. Eine längere Regenpause erlaubt eine kurze Radtour auf der nahen Strandstraße nach Westen und später durch Tarifa, welches eine hübsche Altstadt mit dem gewissen „Surfer-Flair“ mit interessanten Cafés, veganem Restaurant und Bioläden hat. Denn: Surfer, oder besser Kiter, gibt es hier unglaublich viele.
Spaziergang und Radtour bei TarifaTarifa
Bei einem zweiten Strandspaziergang ist der Strand bis zu den Stegen überspült. Wir schauen zu, wie geschätzt mindestens 200 Kiter auf der Lagune und dem offenen Meer den starken Wind nutzen. Wie viele bunte Schmetterlinge segeln die Kites in der Luft, erstaunlich, dass sich die Schnüre nicht verheddern!
Barbate
In Tarifa und an den Stränden in der Nähe parken die wenigsten Wohnmobile auf dem Stellplatz. Hunderte von Campern aus allen erdenklichen Ländern, viele davon mit Surf- und Kite- Equipment, parken auf den zahlreichen Plätzen in der Stadt und an den Stränden weiter westlich. Hier werden sie offenbar im Winter geduldet, für den Sommer gibt es Höhenbegrenzungsschranken.
In den Ferienorten weiter westlich darf kein Camper mehr parken, stellen wir fest, als die Reise weitergeht. Eigentlich wollen wir in Bolonia oder Zahara an der Küste stehen, doch die offiziellen Plätze sind alle geschlossen – und die Parkplätze sind alle mit einer Schranke auf 2,20m Höhe begrenzt. Schade – diese Orte sind ausgesprochen hübsch.
In Barbate findet sich schließlich ein Stellplatz am Yachthafen, heute sogar kostenlos, da die Schranke am Eingang kaputt ist. Der Platz ist groß und asphaltiert – nicht gemütlich, aber gut gelegen. Zum Strand sind es nur 200m, und zum Radweg EV8 nur 100m.
Stellplatz im Hafen von Barbate; Strandpromenade in Barbate
Von hier aus erkunden wir mit dem Rad auf dem teilweise gut ausgebauten Europaradweg die Küste nach Südosten.
Die Sonne kommt immer stärker hinter den Wolken hervor, und schon bald wird es warm. Am Cabo Plata verteilen sich luxuriöse Bungalows großzügig in Palmengärten oder direkt an der Sand- und Felsenküste.
Wenn auch nicht so luxuriös und großzügig, so ist der Küstenort Zahara zumindest höchstens 4stöckig und meist mit geschmackvollen neuen Ferienanlagen bebaut. Die Straße führt auch nicht, wie oft an der spanischen Küste, direkt am Meer entlang, so dass sich hier bestimmt ruhige Urlaubstage verbringen lassen.
Hinter dem Faro de Camarinal geht es steil hinauf in Steineichen- und Felsformationen, bevor der Blick auf die große Düne von Bolonia fällt.
Faro de Camarinalgroße Düne bei BoloniaBoloniaBlick auf Barbate
Auf der 2. Radtour führt der EV8 mit seinem grünen Band bis nach Conil. Allerdings verläuft er immer an der Straße entlang – was offenbar Sinn macht, denn der Abstecher in Richtung Meer verläuft wortwörtlich im Matsch und im Sande. Zwei Kilometer Schiebestrecke, dann geht es wieder über den Radweg bis Conil, einer weiß leuchtenden Stadt mit breiter Strandpromenade und großem Sandstrand.
EV8 nach Conilda unten liegt der Hafenstellplatz Barbate
Nach dem erneuten Wiedersehen mit den Luxemburger Reisefreunden auf dem Stellplatz in Barbate setzen wir am 15. Februar die Reise nach Cadiz fort. Aufgrund der spektakulären Lage der Stadt fährt man über eine etwa 4 Kilometer lange sehr schmale Landzunge bis in die Stadt hinein. Nach weiteren 6 Kilometern durch die übervolle Stadt erreichen wir den einzigen Parkplatz, auf dem Wohnmobile parken dürfen – nur um festzustellen, dass hier und heute nur noch spanische Camper eingelassen werden. Gerne hätten wir uns die älteste Stadt Spaniens angesehen! Nach kurzem Ärger beschließen wir, die dicht besiedelte und von Campern überfüllte Küste hinter uns zu lassen.
Von Arcos de la Frontera in die Sierra de Grazalema
Gut 60 Kilometer weiter nordöstlich stoßen wir auf Pepes Farm, ein großer, familiärer Stellplatz bei Algar hoch über dem Embalse de Guadalcacin. Wie freuen wir uns über die grüne und saftige Umgebung! Die kleinen Wiesenblumen leuchten in Gelb, Weiß und Rosé zwischen all den frühlingshaften hellen Grüntönen! Wir bleiben ein paar Nächte und genießen Ausblicke, Ruhe, Natur und feine kleine Straßen.
auf Pepes Farmein Morgen auf der Farm
Welche Freude ist es, wieder Rad fahren zu können! Auf einer ersten Tour erkunden wir den Nordosten bis nach El Bosque und zum Schluss die kleine Stadt Algar. Die Sonne vertreibt die Regenwolken, und wir schwitzen die steilen Berge hinauf, nur um ein paar hundert Meter weiter wieder genauso steil bergab zu rollen.
Radrunde im Norden und Osten von AlgarAlgar
Anderntags erkunden wir zunächst die Stadt Arcos de la Frontera. Arcos ist der Hauptort der Weißen Dörfer, von denen wir in den nächsten Tagen noch mehrere ansehen wollen. Oben auf dem Felsen, hoch über dem Fluss Guadalete, liegt die Altstadt mit dem zur Zeit eingerüsteten Palast der Herzöge von Arcos und der Baustelle des Plaza del Cabildo – beides ist leider zur Zeit nicht zugänglich. Die BasilikaMenor de Santa Maria de la Asuncion und die Iglesia de San Pedro liegen ebenso auf dem Bergrücken wie einige schöne Bürgerhäuser und – natürlich – verschiedene Aussichtspunkte.
Arcos de la FronteraIn Arcos de la Frontera
Nach dem Stadtbesuch radeln wir um den Stausee Guadalcacin, der, wie viele Stauseen in Andalusien, nur noch zu etwa einem Drittel gefüllt ist. In vielen Nebenarmen befindet schon seit Jahren kein Wasser mehr, der Bewuchs breitet sich aus. Die Regenarmut ist hier besonders sichtbar, obwohl das Land zur Zeit grünt und blüht.
Da oben auf dem Berg steht Biene!
Nach den ruhigen Tagen auf der Farm wollen wir Neues entdecken, die Weißen Dörfer stehen auf dem Plan ganz oben. Der Ort Grazalema ist eines der Weißen Dörfer. Typisch dafür sind weiß gestrichene Häuser in engen, am Berghang liegenden Gassen. Grazalema liegt inmitten des Naturparks Sierra da Grazalema auf knapp 900m Höhe und weist – laut Wikipedia – die mit Abstand höchste jährliche Niederschlagsmenge Spaniens auf (schon wenige Kilometer weiter herrscht wiederum Regenarmut). Wir haben schon wieder Glück: Die Sonne scheint, es herrschen Temperaturen von etwa 20 Grad. Oberhalb des für den Wandertourismus bekannten Ortes liegt ein Parkplatz, von dem aus man hinunter in den Ort laufen und diesen erkunden kann.
Fahrt durch die Sierra da GrazalemaParkplatz mit Blick auf Grazalema
Mit seinen kleinen Kirchen, der großen, belebten Placa de Espana vor der Kirche Nuestra Senhora de la Aurora, dem Denkmal Toro de Cuerda, den hübschen alten Trinkwasserbrunnen und den auffällig gestalteten Eingangstüren in vielen der weißen Häuser wirkt der Ort einladend und gemütlich.
Viele Wandertouren sind von hier aus möglich, wir ziehen dem Wandern per Pedes allerdings das Radwandern vor.
Hinunter zum Embalse de Zahara führt die serpentinenreiche Route, beständig sanft bergab durch grüne Wiesen und Steineichenwälder und an zahlreichen Olivenhainen vorbei – natürlich immer mit schönen Ausblicken.
Grazalemadas fast leere Südende des StauseesNur im nördlichen Teil des Embalse de Zahara ist noch Wasser
Der Fluss Guadalete verbreitert sich hier zum Stausee, doch dieser ist, wie die meisten andalusischen Stausee, kaum noch wasserführend. Am in weiten Teilen vollständig wasserleeren See vorbei radeln wir nach Zahara de la Sierra, einem weiteren Weißen Dorf. Von hier aus sieht man zuerst die „Rückseite“ des Ortes, von der Staumauer aus gesehen liegt das Dorf am Hang des Berges. Strahlend weiß heben sich auch hier die Häuser vom Bergrücken und der grünen Umgebung ab, hoch darüber erheben sich die Überreste einer maurischen Burg. Oben im Ort erradeln wir Sträßchen und Gassen.
Zahara de la Sierra von „hinten“….und von „vorn“Blick auf Zahara von der Staumauer ausIn Zahara de la Sierra
Auf dem Rückweg müssen wir den 1357m hohen Pass Puerto de Las Palomas erklimmen. Eine tolle Strecke, die in unglaublich vielen großen Kurven bergauf führt. Vom Pass aus ist es nicht mehr weit zurück zum Parkplatz. Im Abendlicht zeigt sich Grazalema noch einmal von seiner schönsten Seite.
Grazalema
Noch am Abend setzen wir den Weg durch die Weißen Dörfer mit Biene fort. In Olvera gibt es einen Stellplatz am alten Bahnhof, an dem keine Züge mehr verkehren und nun ein Bahnradweg die Via Verde da la Sierra, beginnt. Olvera ist eine kleine Stadt an der Ruta de los Pueblos Blancos und liegt wiederum auf einem Berg, auf dem hoch oben die Überreste einer Burgruine sowie eine Kirche thronen. Diese Bergkuppe wird, wie in Grazalema und Zahara, von weiß getünchten Häuserreihen umgeben.
Olvera, Burghügel
Nach Setenil de las Bodegas führt eine wenig befahrene schmale Straße, die wir am nächsten Tag nutzen, um ein weiteres Weißes Dorf mit dem Fahrrad zu besuchen. Die Mandelbäume blühen, auf den hellgrün leuchtenden Wiesen sprießen die Frühlingsblumen – es ist ein großes Glück, hier im Süden zu sein!
Blick auf OlveraRadtour von Olvera nach Setenil de las Bodegas
Setenil ist wegen seiner unter einen Felsüberhang gebauten, schmalen Häuser eines der bekanntesten Weißen Dörfer. Bei dem Abstieg über die Treppen der Calle Herreria wirken diese Felsen sehr imposant. Das wissen auch viele Touristen – wir sind bei Weitem nicht die einzigen Besucher.
In Setenil de las Bodegas
Von der ehemaligen Burg ist nur noch ein erneuerter Bergfried erhalten, bis zu dessen Fuß wir hinaufsteigen und über den Ort blicken. Auf dem Rückweg entdecken wir weitere, neuere Häuser, die unter von einem Fluss ausgewaschenen Felsüberhänge gebaut sind.
Ein Highlight ist der letzte Tag, den Biene auf dem Stellplatz in Olvera verbringt: Es geht mit dem Fahrrad auf der Via Verde de la Sierra über 36 Kilometer bis nach Puerto Serrano. Auf dieser Strecke werden 30 (in Worten: dreißig!) Tunnel durchfahren – zwischen 30 und etwa 1000m sind sie lang, die kürzeren unbeleuchtet, die längeren beleuchtet. Dazwischen liegt eine wunderschöne, stille, hügelige, teils felsige Landschaft. Hoch über den Felsen kreist eine Kolonie Gänsegeier. Kein Auto darf hier fahren. Zurück fahren wir denselben Weg, bis wir erschöpft wieder am Camper ankommen.
Eine wunderbare Radstrecke: Die Via Verde da la Sierra
Von Olvera aus müssen wir zügig nach Deutschland zurückreisen – etwas früher als ursprünglich geplant, aber um eine Menge absolut beeindruckende Erlebnisse reicher.
Viel haben wir gesehen in Marokko und viel erlebt. Fast 4000 Kilometer sind wir gefahren. Und doch gibt es sicher noch viel mehr, was wir hätten besuchen können!
Vom Fährhafen Ceuta aus sind wir über Chefchaouen in den Mittleren Atlas gefahren. Nach Süden ging es weiter bis in die Wüstenregion des Erg Chebbi. Danach haben wir die Schluchten des Dades und der Todra besucht und sind nach Westen bis Ait Ben Haddou gereist. Von dort führte die Route über Ouazarzate und Agdz und durch das Draa-Tal weiter nach Süden und an der großen Steinwüstenregion des Erg Chegaga vorbei schließlich nach Westen. Über den Antiatlas hinweg sind wir nach Tafraoute gereist. Diese Region haben wir ausführlicher erkundet, sie hat uns besonders gut gefallen. Von hier aus ging es weiter an den südlicheren Atlantik, dann über Taroudannt und den Hohen Atlas mit den erschreckenden Schäden durch das Erdbeben bis nach Marrakesch. Von Marrakesch führte die Reise wieder an den Atlantik nach Essaouira und am nördlichen Atlantik zurück bis Larache. Von dort aus sind wir quer durch die Hügel Nordmarokkos nach Tetouan und wieder bis zum Fährhafen Ceuta gereist.
Als positiv haben wir empfunden
die herzliche und freundliche Art der Marokkaner*innen, insbesondere der Frauen, Mädchen und älteren Männer
die ausgesprochen schönen und interessanten Landschaften und Schluchten, die uns im Norden, vor Allem dann im Antiatlas und im Hohen Atlas, aber auch im Erg Chebbi und im Mittleren Atlas begeistert haben
die preiswerten Stell- und Campingplätze, die zwar nicht europäischem Standard entsprechen, für uns aber völlig ausreichend waren
die Diesel- und Lebensmittelpreise
das warme, sonnige Wetter: In acht Wochen hatten wir sehr selten einen bewölkten Himmel und praktisch keinen Regen
die zahlreichen Eindrücke in eine für uns doch sehr fremde Kultur
die interessanten Gebäude insbesondere im Süden, die auf eine uns fremde Weise gebaut wurden, und die Medinas, in denen man unendlich viel sehen und kaufen kann
der freundliche und entspannte Umgang auf der Straße (insbesondere für Tom als Haupt-Fahrer)
die ausgesprochen guten Internetverbindungen fast überall
die schönen, ruhigen Plätze im Inland, wo Freistehen möglich war
die freundlichen Polizisten bei (Geschwindigkeits-)kontrollen
die im ganzen Land gefühlte Sicherheit
Als negativ haben wir empfunden:
die unglaublichen Müllmengen insbesondere immer dort, wo viele Menschen wohnen oder etwas verkaufen – Müllabfuhren scheint es außer im Norden Marokkos an der Mittelmeerküste nicht zu geben
die hiermit verbundene Vernachlässigung von Bauten, die nicht beendet und/oder gepflegt werden
die immer stärker werdende Trockenheit im Süden, verbunden mit viel Staub und damit, dass es keine grünen Pflanzen, geschweige denn Blumen gibt
die teilweise sehr schlechten, ausgefransten und mit Schlaglöchern übersäten überregionalen Straßen
die Tatsache, dass Radfahren für uns nur selten möglich war aufgrund fehlender halbwegs gut befahrbarer Straßen (und wegen der Tourenräder, die nicht für die marokkanischen Pisten geeignet sind)
die geringe Auswahl an Käse und Wurst und auch an wirklich frischem Gemüse und Obst (selbst die Apfelsinen und Mandarinen waren im Süden trocken)
die männlichen Jugendlichen, die ihre Kräfte an unserem Auto messen wollten, und die in manchen Gegenden zahlreichen bettelnden Kinder
dass an der gesamten Atlantikküste Freistehen nicht erlaubt ist.
Werden wir noch einmal nach Marokko reisen?
Sicher nicht im nächsten, vermutlich auch nicht im übernächsten Jahr. Vielleicht einmal später mit geländetauglichen Fahrrädern….und wenn eine Müllabfuhr installiert ist. Das kann also noch dauern!
Interessant beladene Fahrzeuge sehen wir auf der viel befahrenen Nationalstraße von Marrakesch nach Essaouira. Für die 160 Kilometer lange Route brauchen wir länger als gedacht. Es ist eine anstrengende Fahrt: Beim Überholen wird nicht geblinkt, überholt wird rechts oder links, Pferdefuhrwerke werden von Fahrrädern und Motorrädern überholt, die Fahrspur wird nicht eingehalten – es herrscht ein freundliches Chaos. Wenn man einmal schneller als 60km / h fahren könnte, kommt sofort eine Geschwindigkeitsbegrenzung mit Kontrolle.
Die Strecke nach Taroudannt führt uns wieder nach Norden, an Tiznit vorbei und weiter über kleinere schmale, teils ausgewaschene, staubige und löchrige Straßen. An einem Stausee mit etwas Wasser geht es vorbei, an Ziegen, die auf Bäume klettern und das wenige Blattgrün abfressen. Die Strecke erscheint uns elend lang und beschwerlich, nicht rechtzeitig sichtbare Querrillen und tiefe Schlaglöcher machen die Fahrt zu einem Höllenritt. Hinzu kommen männliche Jugendliche, die sich mit ihrem Fahrrad lebensmüde vor unseren Camper stürzen oder auch an den Fahrradträger hängen. Bei einer scharfen Bremsung fällt ein Junge herunter und rennt davon, in Bienes Heck prangt eine Beule. Wir haben die Nase voll von der heutigen Fahrt und sind froh, endlich in Taroudannt auf einem etwas abgelegenen Campingplatz anzukommen.
Nach einer weiteren Nacht in der Stille des Sous-Massa im Anti-Atlas kommen wir in Tafraoute an. Die Stadt liegt in einem weiten Talkessel, der, anders als sonst in Marokko, von Granitfelsen und den von uns geliebten „Kullersteinen“ umgeben ist. Hier beziehen wir für drei Nächte einen stadtnahen Campingplatz, um zu duschen, Wasser zu tanken und um Radtouren zu machen. Ein erster Spaziergang in die kleine, lebendige Stadt vermittelt einen überaus positiven Eindruck. Deutlich weniger Müll liegt im Straßengraben, Straßen und Wege sind mit Palmen und Mandelbäumen bestanden, sogar Blumen schmücken einige Plätze. Die Häuser wirken wohlhabender und sind in den Farben der umgebenden Berge rosa-braun angestrichen, und deutlich weniger Bauruinen stehen in der Stadt und der Umgebung.
Nach einer zweiten Nacht in den Bergen nahe Msemrir auf über 2200m Höhe fahren wir auf demselben Wege wieder zunächst durch das obere Dades-Tal, dann hinunter nach Boulmane.
Kurz hinter Azrou auf dem Weg nach Ifrane übernachten wir auf dem schlichten Campingplatz Amazigh für 50 MAD (etwa 4,50€). Morgens ist es auf dieser Höhe (1700m) nur wenig über 0 Grad. Als die Sonne ein wenig wärmt, machen wir uns auf den Weg in den Parc National Ifrane mit dem großen Zedernwald. Hier wandern wir unter den riesenhaften Bäumen hindurch. Die hier lebenden Berberaffen bekommen wir nicht zu Gesicht, nur einige Mineralienhändler und Wanderführer mit Pferden tummeln sich auf dem Parkplatz.
Schneller als gedacht stehen wir in der kurzen Warteschlange für die Fähre, die uns von Algeciras nach Ceuta bringen soll. Innerhalb einer weiteren halben Stunde legt das Schiff ab und bringt uns in 40 Minuten hinüber in die spanische Exklave.
Von Ceuta aus sind es noch etwa 20 Minuten Autofahrt bis zur marokkanischen Grenze – und hier beginnt die Warterei. Etwas chaotisch „ungefähr vierspurig“ stehen die Autos vor den Grenzhäuschen, viele mit laufendem Motor. Ein ungeduldiger junger Mann macht uns darauf aufmerksam, dass wir doch weiterfahren könnten, es ist noch eine halbe Fahrzeuglänge Platz vor Biene…
Durch Nebelwände fahren wir über die kaum befahrene A-4050 eine wunderschöne Bergstrecke von Granada bis nach Almunecar an die Küste. Leider sieht man von der Landschaft nicht viel, wolkenverhangen sind nach der Nacht auf einem einsamen Platz die umliegenden Berge und Schluchten der Sierra Almijara.