Durch die südlichen Karpaten: Von Sibiu nach Braşov

Über die Transfăgărăşan

17.September

Aus der Ferne sehen wir die Karpaten im Dunst auftauchen. Was für ein Glück wir haben mit dem Wetter! Nur wenige Wolken sind am Horizont, es herrscht ungetrübte Sicht. Auf diese Fahrt freuen wir uns seit Wochen!

Langsam schnurrt Biene die Straße hinauf, zunächst noch an fichtenbestandenen Felswänden vorbei, dann auf immer freier werdender Strecke. Weit unter uns wird die Ebene östlich von Sibiu sichtbar. Hier oben wird die Landschaft karger, auf den Felsen wächst Moos, und dazwischen halten sich gelbe Grasbüschel und niedrige grüne Büsche. Während einer Essenspause rasen einige Motorradfahrer*innen an uns vorbei und wenige PKWs und Camper, aber stark befahren ist die beliebte Strecke heute nicht.

Je höher wir kommen, desto eindrucksvoller werden die Aussichten auf die Serpentinen, die erst vor uns, dann unter uns liegen.

Vor der Einfahrt in den Tunnel, der den Paltinu- Berg auf etwa 2050m Höhe durchbohrt, liegt ein völlig überfüllter Touristen- Stopp mit den üblichen Nippes- und Fressbuden. Hier staut sich der Verkehr, doch dahinter geht es ohne Behinderung weiter – nun über Serpentinen und mit traumhaften Aussichten wieder hinunter.

Weiter unten auf der Strecke können wir an einer Quelle Wasser tanken, danach beginnt der dicht bewaldete Teil der Transfăgărăsan. Nun halten wir in der Hoffnung, einen Bären aus dem grünen Dickicht auftauchen zu sehen, die Augen auf. Und wirklich: Direkt vor uns taucht ein großer, gemütlich aussehender Braunbär hinter der Begrenzungsmauer auf! Gaaanz langsam fahren wir bis neben ihn heran und drehen das Fenster ein Stück herunter, um ihn fotografieren zu können. Was für ein Erlebnis!

Ein paar Kilometer später begegnet uns ein kleinerer Bär, der sich schneller bewegt, auf das Mäuerchen neben der Straße klettert und dann wieder im Wald verschwindet.

Am Lacul Vidraru legen wir einen Stopp ein. Der Wasserstand ist deutlich niedriger als normalerweise, dennoch ist die Talsperre beeindruckend. Über zehn Kilometer ist sie lang, und die Staumauer hat eine Höhe von 166,60 Metern.

Nach diesem erlebnisreichen Tag fahren wir einen privaten Stellplatz etwas abseits der Route an und übernachten gegen eine Spende in einem blühenden Garten unter Apfel- und Pflaumenbäumen.

Entlang der Südhänge der Karpaten

Wir wollen die Karpaten nicht verlassen, zu schön ist es hier. Steile bewaldete Hügel wechseln mit baumgruppenbestandenen Bergwiesen, die stark an die Schweiz erinnern. Nach Campulung fahren wir über eine schmale, teils sehr steile und kurvige und dazu holprige Bergstraße mit Ausblicken, die uns immer wieder aufs Neue begeistern. Ab und zu steht am Wegesrand eine bunte orthodoxe Kapelle, es gibt uralte Holzhäuser und moderne Ferienchalets für den Winter.

Die Wohnhäuser beeindrucken uns immer wieder: Verzierte Holzschindeln auf Dächern oder an Fassaden, Erker, Türmchen, Bogengänge und Pfeiler zieren die Wohnbauten. Verzierungen und Kitsch lieben viele Rumänen offenbar, doch auch moderne Ferienhäuser sehen wir.

Es gibt einen Parkplatz am Eingang der Schlucht Damboviciorei, von dem aus wir die asphaltierte schmale Straße zwischen den Felswänden entlang laufen. Ein Bächlein, das sich im Frühjahr wohl zu einem reißenden Fluss entwickeln kann, begleitet den Weg. Ein Hochzeitspaar in traditioneller Tracht lässt hier seine Hochzeitsfotos machen und stellt sich auch für mich in Pose.

Die Straße durch die Schlucht (DJ730) wird immer steiler und schmaler und führt bis Ciocanu in Serpentinen hinauf bis auf 1200m; ein Nachtplatz ist unter diesen Bedingungen schwierig zu finden. Schließlich parken wir in einem Neubaugebiet mit halb fertigen Ferienhäusern, wo uns der Besitzer des entsprechenden Grundstücks morgens freundlich weckt.

Bran  – vampirisch gruselige Verhältnisse

19. September

Kurz vor Burg Bran / der Törzburg, die als „Dracula-Schloss“ bekannt geworden ist, führt die Bergstraße wieder auf die Hauptstraße. Einen Parkplatz gibt es für uns unweit des Aufgangs zum Schloss, aber weit genug weg vom Touristenstrom.

Burg Bran

Die Burg ist im Prinzip ein schönes, recht kleines und kleinteiliges Schloss mit einem überschaubaren Innenhof, vielen Treppen und Winkeln und einer gemütlichen Dachterrasse. Bekannt geworden ist es, weil Bram Stoker in seinem Roman Dracula ein ähnlich aussehendes Schloss beschrieben hat. Allerdings ist der Autor nie in Rumänien gewesen, das Bild der Burg hat sich jedoch in vielen Erzählungen und Filmen verselbständigt. Heute wird mit diesem Ruf der Burg Bran als Dracula-Schloss viel Geld verdient: Der Eintritt von umgerechnet 18€ pro Person berechtigt, in einer langen Menschenschlange dicht gedrängt zu festgelegten Zeiten auf festgelegter Route durch festgelegte Räume zu laufen, vielen Menschen beim Erstellen ihrer Selfies zuzusehen und Beklemmungsgefühle in einem von Touristen verstopften Geheimgang zu ertragen. Ab und zu kann man einen Blick in verschiedene Wohnräume erhaschen. Nicht vorstellen möchte man sich, was passiert, wenn hier ein Notfall eintritt: ein Durchkommen für Helfer wäre unmöglich.

Froh, dem Gedränge entkommen zu sein, laufen wir zügig zurück durch den wenig ansprechend gestalteten Schlosspark; der Weg zum und vom Schloss weg gleicht einem Jahrmarkt mit Imbissständen, „mittelalterlichen Kunst“- Vorführungen, Nippes und Ritterkampf- Shows. Schnell weg hier!

Bei Zarnesti und Magura

20. September

Viele rumänische Familien nutzen das Wochenende offenbar, um Ausflüge in die Natur zu unternehmen. Damit wir noch einen der sehr gefragten Parkplätze nahe der Schlucht Prapastiilor ergattern, fahren wir bereits am sehr frühen Morgen über die Zufahrtsstraße und haben Glück: Zum Einen finden wir eine hervorragende Trinkwasserquelle, zum Anderen sind erst wenige Menschen mit Autos angereist.

Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg, um die Schlucht zu erkunden – leider muss man zunächst etwa zwei Kilometer laufen, um zum interessanten Teil des Canyons zu gelangen. Zuvor passiere ich ein Schild, das vor Bären warnt und Verhaltensregeln aufzeigt. Da ich zur frühen Morgenzeit noch allein wandere, singe ich lauthals vor mich hin und hoffe so, jegliche Bären zu  verschrecken. Der Weg führt zwischen steilen, hohen Felswänden entlang, ein Bächlein begleitet ihn. Viele „Bärenhöhlen“ sind am Wegesrand zu sehen.

Nach etwa 5 Kilometern führt der Weg extrem steil bergauf durch dichten Nadelwald, ich kehre um und laufe denselben Wanderweg zurück. Nun sind ganze Heerscharen von vor Allem rumänischen Familien unterwegs, vor Bären brauche ich mich nicht mehr zu fürchten.

Über Magura führt die schmale, steile und vor Allem staubige Schotterstraße nach Moieciu de Jos. Häuser, Blätter, das Gras auf den Wiesen sind graugelb eingestaubt, und auch unsere Biene ist nach der Fahrt einheitlich sandfarben. Die Karpaten- Aussicht bleibt uns erhalten, auch wenn sich das Wetter eingetrübt hat. Auf einer Anhöhe finden wir eine Wiese zum Übernachten.

Festung Răşnov/ Rosenau

Nach Răşnov ist es nicht weit, somit besuchen wir am nächsten Tag die dortige Festung. Diese ist allerdings offenbar schon seit Jahren wegen „Renovierung“ geschlossen – man kann lediglich um die Anlage herumlaufen.

Nach einer kurzen reinigenden Wäsche für Biene von oben beziehen wir einen Nachtplatz in einem Schi-Resort kurz vor Braşov/ Kronstadt. Wintersportstätten sind im Sommer eine gute Wahl für eine ruhige Nacht: Hier ist alles wie ausgestorben. Am Morgen ist die Temperatur in den Keller gestürzt, also: Heizung an und dicke Jacken rausholen!

Braşov/ Kronstadt

Diese Stadt begeistert uns! So eine angenehme Atmosphäre, so viele schöne Häuser! Hier hört man übrigens häufig die deutsche Sprache, und auch Beschriftungen sind, natürlich neben Rumänisch, auch auf Deutsch zu lesen. Braşov/ Kronstadt ist ebenso eine Gründung des deutschen Ritterordens wie viele andere siebenbürgische Städte; heute leben noch etwa 1200-2000 Siebenbürger Sachsen in der Stadt, nach dem 2. Weltkrieg waren es noch etwa 10.000. Neben Sibiu/ Hermannstadt war Braşov/ Kronstadt über Jahrhunderte wirtschaftliches und religiöses Zentrum der Siebenbürger Sachsen.

Von dem Tagesparkplatz am Weißen Turm (einem Teil der ehemaligen Stadtmauer) haben wir einen wunderbaren Blick über die gesamte Altstadt und den Hausberg Tămpa.

Von hier aus steigt man viele Stufen hinab und kommt schließlich auf die große sehenswerte Piaţa Sfatului, den Mittelpunkt der Stadt mit dem Alten Rathaus. Letzteres wurde zwischen 1515 und 1528 erbaut, und auch der imposante Rathausturm wurde in der Zeit errichtet.

Piaţa Sfatului

Das Hirscher-Haus, erbaut unter der Bürgermeisterwitwe Apollonia Hirscher 1545 als Kaufmannshaus für die Händler der Zünfte, begrenzt den Platz zum Stadtberg Tămpa hin.

Vom Platz aus sind es nur ein paar Schritte bis zur Schwarzen Kirche, 1477 gebaut als gotische Hallenkirche und eines der Wahrzeichen der Stadt. Bei einem Stadtbrand wurde sie 1690 stark beschädigt und nach dem teilweisen Einsturz der Gewölbe später wieder aufgebaut und wiederholt restauriert. Durch Rauch und Ruß waren Teile der Kirche schwarz verfärbt, daher stammt der heute offiziell gewordene Name „Schwarze Kirche“.

Besonders interessant sind für uns die bunt bemalten Kirchenbänke, das reich verzierte Chorgestühl und die siebenbürgischen Teppiche, eine Sammlung anatolischer geknüpfter Teppiche aus dem 16.-18. Jahrhundert, gestiftet von Kronstädter Kaufleuten und anderen wohlhabenden Bürgern.

Schwarze Kirche

Die Straßen der Stadt sind geprägt von spätmittelalterlichen Häusern und reich verzierten großzügigen Bauten des 19. Jahrhunderts, die wir bestaunen, bis der Nacken schmerzt.

Köstlich essen gehen wir im Brunch House an der Piaţa Sfatului – ein Omelette mit Lachs und eine Waffel, die mit Pistaziencreme, Rosenmarmelade und Crème fraiche übergossen ist.

Ein Tag in der Stadt mit all diesen Eindrücken ist anstrengend – das reicht erst einmal!

Die Sieben – Leitern – Schlucht

Bevor wir die südlichen Karpaten endgültig verlassen, geht es noch einmal im Süden von Braşov ins Piatra-Mare-Gebirge bis nach Timişu de Jos, wo der Wanderweg in die Sieben-Leitern-Schlucht beginnt. Der Bergbach Şapte Scări hat hier eine Schlucht in den Kalkstein gegraben.

Idyllisch schlängelt sich der Wanderweg in Richtung der Schlucht, begleitet vom Bach. Nach etwa drei Kilometern beginnt der spannende Aufstieg durch die Schlucht über mehr oder weniger steile, am Fels befestigte Leitern.

Auf dem Rückweg kann man eine Bergkuppe umrunden und landet so wieder am Eingang der Schlucht. Wer möchte, kann sich für einen sehr exklusiven Rückweg über 37 Zip-Lines über insgesamt 4171m Länge entscheiden – jede mehr oder weniger lang, nicht immer unmittelbar miteinander verbunden, sondern durch Auf- und Herabklettern zu erreichen.

Ich laufe heute lieber und bin nach drei Stunden zurück an Biene.

Vom Apuseni- Gebirge nach Siebenbürgen

Mit dem kleinen privaten Campingplatz Calatorul im südlichen Teil des Apuseni- Gebirges, etwa 20 Kilometer östlich von Brad, finden wir einen wunderschön gelegenen, von Bergen und saftig-grünen Wiesen umgebenen ruhigen, terrassenförmig angelegten Platz mit herrlicher Aussicht. Wir sind zudem die einzigen Gäste des freundlichen niederländischen Gastgebers Matthias.

Von hier aus wagen wir die ersten Radtouren in Rumänien – was gar kein Wagnis ist, denn die gut ausgebauten Straßen weiter ins Tal hinein enden immer wieder nach etlichen Kilometern am letzten Haus als Schotterpisten und sind entsprechend wenig befahren. Die Häuser und Höfe entlang der Straße sehen hier im Apuseni häufig aus wie in ländlichen Gebieten Deutschlands vor 60 Jahren. Oft ist das Erdgeschoss gemauert, während die Giebelwand des oberen halben Stockwerks aus einfachen Spanplatten besteht. Zu jedem Haus gehören zwei oder drei Nebengebäude aus Holzbrettern oder -stämmen, die als Schuppen, Stall oder Heulager dienen.  Vor nahezu jedem Haus lagert Brennholz für den Winter, auf den Wiesen stehen Heuböcke. Die meisten Fassaden der Wohnhäuser sind hübsch oder auch kitschig verziert, und jedes Haus hat zumindest einen Gemüsegarten zur Selbstversorgung.

Den nächsten höheren Berg Bradisor erklimmen wir mit Mühe, geht es doch von 380m bis auf 870m steil bergauf. Die Aussicht ist von oben natürlich wieder grandios – trotz des getrübten Fernblicks!

Nach drei Nächten verlassen wir diesen Wohlfühlort, um weiter durch das Apuseni Gebirge zu fahren – über schmale, teils sehr gut ausgebaute, teils aber auch sehr kaputte, immer autoleere Bergstraßen. Eine Fahrt über Serpentinen, hinauf und hinunter, und immer tolle Ausblicke! Über Abrud/Großschlatten geht es nach Zlatna und Geoagiu, weiter über eine Schnellstraße nach Hunedoara/Eisenmarkt.

Buces Vulcan

Eine kurze Erklärung zu der Benennung der rumänischen Städte:

Die Städte in Siebenbürgen haben oft sowohl rumänische als auch deutsche (und oft auch ungarische) Namen. Der Grund dafür ist, dass sie im Mittelalter und in der frühen Neuzeit von deutschen Einwanderern gegründet und maßgeblich geprägt wurden. Die bekannteste Gruppe von ehemals deutschen Siedlern sind die Siebenbürger Sachsen, die bekannteste Stadt ist Sibiu/ Hermannstadt.

In Hunedoara/ Eisenmarkt

Die industriell geprägte, nicht weiter sehenswerte Stadt Hunedoara/ Eisenmarkt durchqueren wir rasch, um zu der auf einem Kalkfelsen gebauten, riesigen und ehemals bedeutenden Burganlage Hunedoara, auf rumänisch Castelul Corvinilor, zu gelangen. Da das Thermometer auf unserem Parkplatz draußen gegen 17 Uhr immer noch 33 Grad, im Camper 38 Grad zeigt, laufen wir zunächst direkt zur Burganlage.

Auf der Süd- und Ostseite umschließt ein tiefer Festungsgraben die Burg. Über eine Holzbrücke gelangt man durch das Tor und in den mit Katzenkopfsteinen gepflasterten Burghof. Man erkennt in den vielen Anbauten und Erkern die unterschiedlichen Bauphasen zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert. Auf den Südturm der Anlage kann man hinauf steigen.

Im Anschluss an die Besichtigung machen wir – leider zu spät – die Erfahrung, dass eine Vorspeise für zwei Personen hier so groß und sättigend ist, dass man keine Hauptspeisen mehr zu bestellen braucht.

Vorspeise

Nach einer Nacht auf dem Parkplatz nahe der Burg geht es nun an neu erbauten extravaganten, aber hier keinesfalls ungewöhnlichen städtischen Wohnhäusern vorbei hinaus aus Hunedoara, auf schmalen Straßen über Petrosani in Richtung Transalpina in die Karpaten.

Die Straße 7A wird zunehmend schmaler, links fließt ein Gebirgsbach, rechts begrenzen hohe Felsen mit ein paar Überhängen und saftig- grünen Nadel- und Laubbäumen die Straße. Eine schöne Strecke – allerdings sind die entgegen kommenden rasenden LKWs ziemlich beängstigend. Glücklicherweise begegnet uns keiner in einer der sehr engen Haarnadelkurven, so dass ein Ausweichen immer möglich ist.

Auf 1589m haben wir die Passhöhe erreicht und biegen nicht direkt auf die Transalpina ab, sondern wählen die Straße südlich des Lacul Vidra. Hier wird klar, warum auf der bisher gefahrenen Strecke solch ein reger LKW-Verkehr herrscht. Auf etwa 10 Kilometer Länge wird die ehemals schmale Straße am See zu einer Rennstrecke ausgebaut – bestimmt erfreulich für die rumänischen Autofahrer*innen, die auf jeder noch so unübersichtlichen Strecke und vor jeder Kurve überholen.

Auf einen schönen Nachtplatz am See hoffen wir hier vergebens: Bäume versperren nahezu jede Sicht auf das – allerdings auch wenig Wasser beinhaltende – künstliche Gewässer. Am Ende des Stausees wird die Nacht zumindest ruhig und sternenklar.

Die Fahrt über die vielfach beschriebene Transalpina am nächsten Tag ist enttäuschend: Fichten an steilen Hängen, Fichten an weniger steilen Hängen, Ausblicke lediglicjh auf Bäume und ein zweiter nahezu komplett leerer Stausee. Lediglich am Staudamm können wir einen Blick in die Ferne – und auf eine Menge Nippes-Verkaufsbuden werfen. Hier essen wir – neben etlichen anderen (Motorrad-) Touristen – die erste Clătite mit Schinken und Käse – köstlich!

Auf dem Weg aus dem Wald in die Stadt Iulia Alba/ Karlsburg haben wir das Glück, an einer gut fließenden Quelle noch Wasser tanken zu können. Somit ist die Wasserversorgung für die nächste Woche gesichert.

In Alba Iulia

Iulia Alba begrüßt die Besucher*innen am 12.September mit viel Autolärm und lauter Musik: Zwischen den Festungsmauern findet eine Show statt, in der stolze Besitzer ihre aufgemotzten Oldies und deren überdimensionierte Musikanlagen präsentieren. Dabei darf der entsprechende Sound (von Motoren und Musik) natürlich nicht fehlen. Wir schauen und staunen, gibt es doch Fahrzeuge, die anscheinend fast ausschließlich aus Lautsprechern und PS  bestehen.

Alba Iulia: Zwischen den Mauern

Alba Iulia gehört zur Region Siebenbürgen. Die Stadt wurde seit der Römerzeit vielfach komplett zerstört und immer wieder neu aufgebaut, nach der letzten Zerstörung durch die Türken in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde unter Karl IV nach der Einebnung vieler Bauten schließlich die siebeneckige Festung im Stile Vaubans erbaut. Besondere Bedeutung erlangte die Stadt durch den Vertrag von Trianon, in dem die Einheit Großrumäniens 1918 beschlossen wurde.

Heute hat sich die Stadt natürlich weit über die Festungsmauern ausgebreitet, für uns ist jedoch vor Allem die Festung interessant, die die im 18. Jahrhundert entstandenen Prunkbauten wie eine mehrschalige Zwiebel mit ihren dicken Mauern und Bastionen einschließt.

Zwischen den Wällen – deren Mauern insgesamt über 10 Kilometer lang sind –  befindet sich ein breiter Streifen aus Grünflächen, Radweg und Fußgängerareal, der von der Gastronomie genutzt wird für zahlreiche Gartencafés und Imbisse. An diesem Nachmittag herrscht hier noch fast gähnende Leere, doch die Vorbereitungen lassen große Feiern am Abend erahnen. Wir finden aus diesem Ring kaum noch heraus, da immer wieder zusätzliche Festungsmauern den Überblick verlieren lassen.

Durch ein äußeres Tor, über eine Brücke und durch das Tor des prunkvollen Glockenturms der Krönungskathedrale gelangt man in die Festung und unmittelbar auf den begrünten und mit Bogenarkaden umschlossenen Innenhof der Anlage vor der Krönungskathedrale. Hierin finden heute mehrere Hochzeiten statt, am morgigen Sonntag ein „Außengottesdienst“, bei dem wir nicht stören werden.

Krönungskathedrale

Wir schlendern durch das im Inneren des Festungssterns gar nicht so große Areal, sind allerdings von den barocken Prunkbauten nicht so angetan wie von der Festungsanlage selbst, der Stimmung der Menschen und den zur Schau gestellten Autos.

Sonntag ist Waschtag: Im Anschluss an die kurze Fahrt nach Sibiu/ Hermannstadt suchen wir erst einmal einen Waschsalon mit Trockner auf. Drei Maschinen voll zu waschen und zu trocknen dauert mehrere Stunden, und abends fahren wir nur noch in einen großen Park fünf Kilometer südlich von Sibiu, um hier einen Nachtplatz zu finden. Außer uns stehen hier lediglich noch zwei weitere Camper in weitem Abstand. Ab und zu kommt ein PKW, dessen Insassen ebenfalls hier übernachten – anscheinend mögen Rumänen dieses „Minicamping“, vor Allem an den Wochenenden. Der Platz ist für die nächsten Tage und Nächte wie geschaffen: Ruhig, weitläufig, ideal gelegen. Von hier aus kommt man mit dem Fahrrad durch den Grünstreifen fast bis in die Stadt.

In Sibiu/ Hermannstadt

13.-17. September

Am Morgen besucht uns eine riesige Herde Schafe; die Hütehunde sind wider Erwarten freundlich und neugierig, aber nicht bissig. Nachdem die Schafe weiter gezogen sind, machen wir uns auf den Weg in die Stadt, die als eine der schönsten in Siebenbürgen gilt. Sie wurde bereits im 12. Jahrhundert gegründet und ist ein Zentrum der Siebenbürger Sachsen. Hier sprechen recht viele Menschen deutsch.

Von den noch erhaltenen Resten der Stadtmauer mit mehreren Türmen ausgehend erkunden wir die Stadt. Viele Plätze gibt es hier! Die Piaţa Mare, der Große Ring, ist riesig. Am Platz liegt das reich verzierte Rathaus, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut wurde. Tauben flattern in Scharen umher, ansonsten ist der Platz erstaunlich leer. Die Piaţa Mica, der kleine Ring, liegt einen Bogengang weiter, und auch auf diesem Platz fallen die zahlreichen Bogengänge im Erdgeschoss der Häuser auf. An der Piaţa Huet befinden sich besonders schöne und reich verzierte Gebäude und die Evangelische Pfarrkirche.

Kleiner Ring

Aus vielen Perspektiven fällt der Blick auf die Stadtpfarrkirche, deren Kirchhof von wunderschönen Gebäuden umgeben ist. Wir sitzen im Café und schauen dem Spiel zahlreicher Kinder zu.

Auf den Turm der Pfarrkirche gelangen wir über 700 steile Stufen. Von hier können wir die ganze Stadt überblicken.

Ansonsten blickt die Stadt durch viele hundert Augen auf uns: Die als Wächter der Stadt bekannten Fledermausgauben vermitteln den Eindruck, man würde leicht misstrauisch beobachtet. Auffällig ist, dass in der gesamten Stadt keine Polizei zu sehen ist, die Augen tun also ihren Dienst. Allerdings ist jede Ecke mit Überwachungskameras ausgestattet.

Die Lügenbrücke verläuft über die Straße von der Oberstadt in die Unterstadt. Man erzählt, dass jede auf ihr ausgesprochene Lüge durch unmittelbar abbröckelnden Putz an den umgebenden Hausfassaden entlarvt wird. In letzter Zeit haben wohl nicht so viele Menschen gelogen… oder es ist Vieles restauriert worden!

Lügenbrücke Seht ihr die beobachtenden Augen?

Nach einem Blick in die wunderbar farbenprächtige Orthodoxe Kathedrale radeln wir durch die Unterstadt, die deutlich weniger restauriert, aber dennoch charmant wirkt. Danach flanieren wir in der langen Einkaufsstraße Strada Nicolae Balcescu / Heltauergasse, essen Crepes und Eis mit Riesenkugeln. Erschöpft von so vielen schönen Stadt-Eindrücken radeln wir – den ersten Kilometer zwischen rasenden Autos, danach über breite Radwege durch Grünanlagen – zurück zu Biene.

Noch ein Freilichtmuseum

Der Eingang des Astra-Freilichtmuseums mit über 350 historischen Bauten liegt nur 1,5 Kilometer von unserem Stellplatz entfernt innerhalb einer idyllischen Grünanlage mit Wasserlauf, See, Hügeln, Gemüse- und Blumengärten und kleinen Feldern. Schnell wird klar: Nicht alle Bereiche des Museums können an einem Tag erlaufen und besichtigt werden. So wandern wir „nur“ über den Mühlenweg mit allein über 25 Wassermühlen, die als Getreide-, Stampf-, Schmiedemühlen und für andere Zwecke genutzt wurden. Etwas höher liegen Wohnhäuser, die teilweise noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts genutzt wurden. In die Häuser kommt man nicht, lediglich durch Fenster und Türen gewähren Holzgitter einen Einblick. Einen Eindruck der bäuerlichen und frühen industriellen Lebensweise kann man gewinnen; leider sind viele Gebäude komplett verschlossen oder / und Erklärungen fehlen weitgehend. Interessant: Im Sommer stand wohl ein Bett auf der nahezu immer vorhandenen Terrasse, sodass man an der frischen Luft ruhen oder schlafen konnte.

Am Tag darauf sehen wir dann ebensolche Häuser, die wir gestern im Freilichtmuseum besichtig haben, in der Realität in den Dörfern, die auf der Radtour im Süden von Sibiu liegen – die sind allerdings noch bewohnt.

Radtouren in und um Sibiu

Es ist nicht ganz einfach, in dieser Umgebung Rad zu fahren! Radwege gibt es offenbar in und um Sibiu, und sind zu einem Teil zweispurig ausgebaut, wobei sie manchmal breit und glatt asphaltiert, sogar grün markiert, dann wieder schmal und ungepflegt sind. Schwierig ist es manchmal, auf einen solchen Radweg zu kommen, da sie von der Straße durch breite oder tiefe Gräben getrennt sind und es wenig Möglichkeiten gibt, diese zu überqueren. Manchmal ist so ein nur durch Markierungen abgetrennter Radweg keine 80cm breit, führt auf der stark befahrenen Straße entlang oder endet unvermittelt auf einer befahrenen Straße oder auf einem Schotterpfad.

Autofahrer*innen halten zwar meist Abstand, fahren aber sehr schnell am Fahrrad vorbei, auch wenn man auf der Straße radeln muss. Da wir nicht gerne kilometerlange Schotterpisten fahren, sind viele Strecken Hin- und Rückwege, da die schmaleren asphaltierten Straßen im Nirgendwo enden. Gerät man doch einmal auf eine längere Piste, begegnen einem eventuell Hunde, die bellen und drohen zu beißen – da hilft nur Stehenbleiben und Schieben, oder, ganz selten, ein Pfefferspray. Die Komoot-App ist in Rumänien bisher nur bedingt hilfreich gewesen, da etliche Straßen und Wege nicht bzw. falsch eingezeichnet sind. Hier herrscht noch viel Verbesserungsbedarf!

Radtour im Süden von Sibiu

Bevor wir Hermannstadt verlassen, radeln wir eine große Runde südlich der Stadt. Die Tour führt uns vor Allem durch kleine, ärmlich wirkende Straßendörfer und viel Natur. Immer wieder führen Strecken auf Schotterpisten und trockene Lehm- und Waldwege, manchmal kehren wir um, manchmal befahren wir diese Wege. Einmal landen wir in einem Dorf am „Ende der Welt“, hier endet die befahrbare Piste. Dunkelhäutige Menschen schauen uns – anders als bisher in Rumänien – misstrauisch und neugierig an, das Fotografieren wird uns verboten, es herrscht eine etwas unheimliche Stimmung, wie sind ganz offensichtlich nicht willkommen. Später erfahren wir, dass im Dorf Prislop über 90% Roma leben. Wir drehen zügig um und fahren zurück über eine andere Route.

Anstrengende Pisten… und hübsche Kirchen(ruinen)

Morgen geht´s raus aus Sibiu und auf die Transfaragasan!

Von Niederösterreich bis nach Rumänien

An der Donau

27.-29. August

In Rossatzbach an der Donau finden wir einen angenehmen, von einem freundlichen Paar geführten Stellplatz mit Ver- und Entsorgung. Es wird uns trotz anderweitiger Reservierungen ermöglicht, im Schatten unter Bäumen zu stehen – nur so lässt sich die spätsommerliche Hitze aushalten.

Von hier aus erradeln wir bei 32 Grad die Wachau, eine malerische Landschaft zwischen Melk und Krems. Wein, Äpfel und Marillen(marmelade) gibt es hier im Überfluss.

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