Von Niederösterreich bis nach Rumänien

An der Donau

27.-29. August

In Rossatzbach an der Donau finden wir einen angenehmen, von einem freundlichen Paar geführten Stellplatz mit Ver- und Entsorgung. Es wird uns trotz anderweitiger Reservierungen ermöglicht, im Schatten unter Bäumen zu stehen – nur so lässt sich die spätsommerliche Hitze aushalten.

Von hier aus erradeln wir bei 32 Grad die Wachau, eine malerische Landschaft zwischen Melk und Krems. Wein, Äpfel und Marillen(marmelade) gibt es hier im Überfluss.

Den riesigen Barockkomplex des Stifts Melk besichtigen wir nur von außen und spazieren durch den barocken Garten. Ein Gewitter treibt uns bald– bei viel Gegenwind – zurück nach Rossatzbach. Abends und nachts regnet und gewittert es, die Temperaturen sind am folgenden Tag deutlich abgesunken und entsprechend erträglicher.

Wir radeln zehn Kilometer nach Krems, schauen uns die hübsche kleine Universitätsstadt an und gehen mittags essen. In der Altstadt stehen noch etliche historisch interessante Gebäude.

Am 30. August fahren wir nach Annaberg in Niederösterreich über die gut ausgebaute Bundesstraße 20. Ein kleiner Ort, der für den Winter ein Schigebiet mit mehreren Liften bereithält. Im Sommer kann man hier wandern oder reiten oder mit einem Sessellift hinauf auf den Berg fahren und an einer Zipline wieder hinunterrasen. Genau deswegen möchte ich hierhin. Nach der Sessellift- Fahrt und einem kleinen Spaziergang auf das Hennesteck sause ich 1.356m hinunter, am Anfang mit 120 km/h, dann deutlich langsamer – und doch sind die 90 Sekunden Flug viel zu schnell vorbei.

In Annaberg verbringen wir nicht die Nacht– zusätzlich zu den Aktivitäten hätten wir noch einmal 30€ für eine bloße Übernachtung auf dem Parkplatz ohne jeglichen Service zahlen sollen. Statt dessen geht es weiter nach Süden, immer über die B 20. In Mariazell übernachten wir ruhig und umsonst auf einem großen Parkplatz und machen am Morgen einen kleinen Spaziergang durch den Wallfahrtsort. Hier ist alles auf wallfahrende Touristen ausgerichtet, es gibt Buden und Verkaufsstände für Nippes überall. Die Kirche und der große Platz mit den umliegenden Gebäuden gefallen uns, die Preise allerdings nicht:  Für drei Brötchen bezahlen wir 5€ – Österreich ist teuer, nicht nur hier!

An der Mur

Bis nach Mixnitz an der Mur, nur noch etwa 20 Kilometer vor Graz, geht es weiter auf der B 20 durch die Hochsteiermark mit wunderbaren Ausblicken.

Das warme Wetter begleitet uns stetig, und als wir auf dem weiten, schön und ruhig gelegenen Wiesenplatz (für 15€ ohne Service!) in Mixnitz am Beginn der Bärenschützklamm ankommen, ist es sonnig mit über 30 Grad – kein Schatten in Sicht.

Ich wandere spätnachmittags etwa drei Kilometer aufwärts zum Beginn der Bärenschützklamm – glücklicherweise schlängelt sich der teils sehr steile Weg durch den dichten Wald. Leider führt der Mixnitzbach durch die Klamm kein Wasser, auch hier in Österreich hat es in den letzten Wochen viel zu wenige Niederschläge gegeben. Zudem wäre eine Wanderung durch die Klamm mit ihren Holz- und Eisenleitern und schwierigeren zu erkletternden Passagen und einem Rundweg über weitere acht Kilometer zu lang und zu anstrengend – ich muss also umkehren. Schade!

Am Abend und in der Nacht gibt es Gewitter und Regen, die Hitze weicht einer erträglicheren Wärme. Wir radeln eine Tour an der Mur hinauf bis Loeben und eine Tour hinunter nach Frohnleiten. Der Murradweg erweist sich als enttäuschend, da er immer an der vielbefahrenen Bahnstrecke und größtenteils in Sicht- und Hörweite von Autobahn und Bundesstraße verläuft; manchmal sogar in direkter Nachbarschaft mit den zusätzlichen Geräuschen und Gerüchen großer Industriewerke.

Früher als geplant verlassen wir die Steiermark und statten lediglich dem Freilichtmuseum in Stübing ganz in der Nähe noch einen längeren Besuch ab. Das Museum liegt in einem kleinen Seitental der Mur und gehört zu den bedeutendsten Freilichtmuseen in Österreich. Die  Bauwerke stammen aus allen Gebieten des Landes und bieten einen schönen Überblick über die bäuerliche Lebensweise vom 16. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert.

Häuser aus Südtirol

Da wir schon viele Freilichtmuseen besucht haben, fällt das Augenmerk vor Allem auch auf die Besonderheiten.

„Schnell“ durch Ungarn

3./4. September

Entgegen den ursprünglichen Planungen entschließen wir uns, bei der Hitze Graz nicht zu besichtigen und im gut klimatisierten Oman zügig durch Ungarn nach Rumänien zu fahren. Wir kaufen eine Ungarn-Vignette für 10 Tage für 35€ (die teuerste Maut während unserer Reise) und wählen die Hauptverbindungroute von West nach Ost über die E66. Die ist teilweise mehrspurig, streckenweise gut asphaltiert und entsprechend gut befahrbar, dann wieder mit tiefen Schlaglöchern übersät. Ein kurzer Abschnitt Autobahn gibt Hoffnung auf zügigeres Vorankommen, doch die E60 und später die 42 erweisen sich – trotz der Bezeichnung „Europastraße“- als noch schlimmer durchlöchert und in katastrophalem Zustand, dazu herrscht viel Verkehr.

Wir übernachten schließlich im Garten einer freundlichen Privatanbieterin in einem unscheinbaren Dorf und starten morgens früh zur zweiten Etappe durch Ungarn.

Auf dem Weg durch dieses Land zeigt sich, dass die Landschaft noch vertrockneter ist als in Deutschland oder Österreich: Die Wiesen sind ausschließlich gelb, der Mais kleinwüchsig und ebenfalls gelb vertrocknet, die Sonnenblumen fast schwarz. Die Behausungen, in denen noch Menschen wohnen, wirken eintönig  und heruntergekommen. Oft gibt es Häuserzeilen mit geradezu systematisch viereckigen, einstöckigen Häusern und fast pyramidenartig zulaufenden Dächern, aufgereiht an der Straße. Alles sieht wenig einladend aus, und bis auf die Umgebung des östlichen Balatons ist es überwiegend flach und wirkt öde.

Erste Tage in Rumänien: Ins Apuseni- Gebirge

6. – 8. September

Die Vignette für 60 Tage kostet uns 15€, und so können wir gut vorbereitet die Grenze überqueren. An Oradea vorbei fahren wir bis Baile Felix, wo wir einen ruhigen Nachtplatz an einem Schwimmbad finden. Wie schön: In Rumänien ist es (noch) erlaubt, frei zu stehen!

Da es in den nächsten Tagen weiterhin sehr heiß werden soll, beschließen wir, auf direktem Weg über Beiuş und Budureasa ins Apuseni- Gebirge zu fahren. Also: Geld tauschen, einkaufen, los geht´s.

Schnell wird die Landschaft hügeliger und etwas grüner, und sofort fühlen wir uns wieder wohler. Schnell fällt auf:

  • Rumänen halten Geschwindigkeitsbeschränkungen und Überholverbote für unsinnig.
  • Rumänen fahren gerne mit hochgelegten Quads durch den Wald.
  • Die Straßen sind in deutlich besserem Zustand als in Ungarn.
  • Wanderungen und Radtouren gibt es auf der komoot-App so gut wie gar nicht – Wege sind vielfach fehlerhaft und nicht im richtigen Zustand eingezeichnet.

Das Apuseni- Gebirge bildet einen nördlichen Abschnitt der rumänischen Westkarpaten und hat einen fast kreisförmigen Grundriss. Die Gipfel ragen bis etwa 1800m auf.

Quelle: Wikipedia

Bis Stâna de Vale auf etwa 1100m Höhe geht es in Serpentinen bergauf. Der Ort bietet nicht viel außer einem riesigen Parkplatz, einer Sommerrodelbahn und einigen Imbissbuden. Im Winter mag es hier einen gewissen Schitourismus geben, jetzt ist der Ort weitgehend verlassen. Bis 1948 hat man Stâna de Vale zu einem Kurort ausgebaut, mit der Machtübernahme der Kommunisten wurden die Grundstücke der Kirche, die es hier vielfach gab, enteignet, und viele Gebäude verfielen zu Ruinen. In den 70er Jahren versuchte man mit einigen Neubauten eine Wiederbelebung, doch auch diese Hotels sind nun schon wieder größtenteils verfallen.

Ich mache eine kleine Wanderung zu einem halb künstlich aufgebauten Wasserfall, an dessen Fuß wir die nächste Nacht verbringen. Leider wird das keine ruhige Nacht, da offenbar ein Quad- Sportverein hier Offroad- Touren übt.

Auf demselben Weg wie hinauf geht es am nächsten Tag wieder hinunter und schließlich ins nächste Tal, auf der 763 in Richtung Padiş. Der Crişul Pietros Fluss begleitet uns, und immer wieder halten wir an, kühlen die Füße im klaren Wasser des Gebirgsflusses und springen über glatt geschliffene Steine, umrunden tiefe Wannen, hören dem Plätschern und Rauschen zu.

Zwischen Boga und Padiş erkunden wir zu Fuß ein weites, grünes Tal, das zu einer Kaarstlandschaft mit unterirdischen Höhlen und unzähligen Dolinen – trichterförmigen Mulden – gehört. Große Schafherden queren den Weg. Zu den bekannten Höhlen wandern wir nicht, der Weg ist uns zu weit.  

Auf der Höhe von 1400m verbringen wir eine ruhige, kühle Nacht, bevor wir anderntags noch weiter hinauf fahren nach Padiş. Hier endet die Straße unverhofft wegen Bauarbeiten: Es gibt keine Möglichkeit weiterzufahren, und so müssen wir denselben Weg zurück fahren.

Da wir ein bestimmtes Ziel haben, bedeutet dies einen mehrstündigen Umweg über Brad – was letztendlich zu dem idyllischsten Ort der bisherigen Reise führt.