Moldau- Klöster, Schlammvulkane und ein Fazit

Bevor wir uns aus Rumänien verabschieden, möchten wir noch einige Beispiele für die berühmten Moldau-Klöster ansehen. Der Weg zu den Klöstern führt uns bis zum östlichen Rand der Ostkarpaten. Bei Kloster Neamt finden wir einen Nachtplatz auf den ehemaligen Ländereien des Klosters auf einer Wiese am Bach.

Drei Moldau-Klöster

Der Bau der rumänisch- orthodoxen Moldau- Klöster wurde im 15. und 16. Jahrhundert im damaligen Fürstentum Moldau von Stefan dem Großen und seinen Nachfolgern veranlasst. Angeblich sollte für jeden errungenen Sieg auf dem Schlachtfeld eine Kirche oder ein Kloster errichtet werden. Seine Schlachterfolge führten jedenfalls zum Bau von über 40 Gotteshäusern in diesem Gebiet. Die meisten zeichnen sich insbesondere durch die farbigen Außenwandmalereien aus, die dem des Lesens und Schreibens unkundigen Menschen die Geschichten der Bibel nahebringen sollten. Diese Klöster sind meist von einer Schutzmauer umgeben, teilweise sind noch andere oder neue Klostergebäude vorhanden.

Drei dieser Klöster, ähnlich und doch ganz unterschiedlich, besichtigen wir.

Kloster Neamt wurde am Ende des 14. Jahrhunderts gegründet und gilt heute als eines der bedeutendsten rumänisch- orthodoxen Männerklöster. Inmitten prächtiger Grünanlagen und umgeben von den übrigen klösterlichen Einrichtungen innerhalb der Mauer steht die Kirche aus dem Jahr 1497. Sie ist mit farbig glasierten Keramiken verziert, schlicht und außen weitgehend ohne Bemalung. Alles wirkt harmonisch und vermittelt eine tiefe Ruhe. Innen ist die Klosterkirche wie alle rumänisch-orthodoxen Kirchen bunt bemalt und mit viel Gold verziert, allerdings vom jahrhundertealten Rauch der Kerzen sehr dunkel.

Im 18. Jahrhundert gab es hier die weltgrößte Klostermalschule, und auch Buchdruck und Kalligraphie wurden hier betrieben. Zudem gibt es hier heute noch eine große alte Klosterbibliothek.

Wir besuchen nach der Besichtigung den außerhalb liegenden Klosterladen im Gebäude des Segenshauses, mit viel Krimskrams und alten Büchern bestückt. Hier kommen wir ins Gespräch mit Antonius, einem hier arbeitenden Mönch, der fast perfekt Deutsch spricht. Er erzählt, dass er längere Zeit in Deutschland studiert hat. Eine halbe Stunde später kennen wir seine 67jährige Lebensgeschichte und verabschieden uns, um zu einem weiteren Kloster zu reisen.

Kloster Sihastria Sfantul Ioan de la Rasca ist ein modernes rumänisches Kloster, erbaut 2016-2023. Es liegt abgeschieden am Ende einer geschotterten, sechs Kilometer langen Sackgasse. Eine so entlegene Lage, dass wir die einzigen Gäste im Klosterbereich sind. Da die Außenwände im traditionellen byzantinischen Freskenstil verziert wurde kann man sich sehr gut vorstellen, wie die älteren Klosterkirchen zu ihrer Erbauungszeit ausgesehen haben könnten.

Schon der Eingangsbereich in den Komplex ist farbig bemalt und bestechend schön. Dann fällt der Blick auf die Kirche, deren Außenwände alle möglichen Bibelszenen aus dem alten und neuen Testament in buntesten Farben darstellen. Das umfangreiche ikonographische Programm ist eine Reminiszenz an die älteren Kirchen der Bukowina, umwerfend!

Das weit auskragende Dach schützt die Fresken an den Außenwänden.

Auch innen ist diese Kirche nahtlos mit Fresken ausgemalt und mit Ikonen ausgestattet.

Die gesamte Anlage ist äußerst gepflegt, mit Blumen und Bäumen bestanden und sauber geharkt. Auch die übrigen Gebäude mit den Gemeinschaftsräumen und Klosterzellen sind sehr gepflegt und sauber. Wir genießen die wunderbare Ruhe, die das Kloster vermittelt, eine ganze Weile, bevor wir uns verabschieden.

Als letztes Kloster besuchen wir das historische Frauenkloster Voronet im Nordosten Rumäniens in der Bukowina. Es wurde 1488 von Fürst Stefan dem Großen gegründet, die Kirche gehört seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wegen ihrer außergewöhnlichen und auf der Süd- und Westseite besonders gut erhaltenen Bemalung wird diese auch „Sixtinische Kapelle des Ostens“ genannt. Die Fresken an der Nordwand sind durch Wettereinflüsse stark verblasst, doch auf den anderen Seiten kann man die Darstellung des Jüngsten Gerichts und den Stammbaum Davids noch gut erkennen. Das sogenannte „Voronet-Blau“, dem Lapislazuli-Staub beigemischt wurde, erstrahlt in der Sonne noch immer.

Innen wurden die vom Kerzenrauch gedunkelten Fresken aufwändig restauriert. Andere Klostergebäude sind nicht mehr vorhanden, die Kirche wird lediglich von einer Mauer umgeben.

Anders als in Neamt und in Rasca ist das Kloster Voronet stark touristisch geprägt. Beköstigungs- und Nippesbuden zieren den Vorplatz, innerhalb der Mauern erleben wir eine deutschsprachige Führung für eine Gruppe von Busreisenden, die nach ausführlichen Erklärungen weiterzieht.

Nach dieser Kloster- Rundreise ist der Kultur- Hunger erst einmal befriedigt. Rumänien bietet so unglaubliche viele kulturelle und landschaftliche Highlights, dass man in vier Wochen längst nicht alles, was sehenswert ist, auch besuchen kann. Zumindest aber einen etwas tieferen Einblick in die Geschichte Rumäniens, in die bauhistorischen Sehenswürdigkeiten und die wunderschöne Natur hat uns die Zeit in diesem Land vermittelt.

Das Schwarze Meer und damit der „Urlaub von der Reise“ lockt. Auf dem Weg dorthin liegt noch eine geologische Besonderheit, die wir uns nicht entgehen lassen wollen:

Die Schlammvulkane von Berca

Eine über 250 Kilometer weite Strecke Richtung Süden liegt vor uns. In der Bukowina liegen ausgesprochen ansehnliche Wohnhäuser an der Straße, die meisten Fronten sind reich verziert, mit Säulen und verglasten Anbauten versehen.

Über Bacău geht es zunächst langsam voran, da die Verbindungsstraße jeden noch so kleinen Ort durchkreuzt, und innerhalb dieser Ortschaften sind 50 bzw. 30 Stunenkilometer vorgeschrieben. Es wundert nicht, dass die rumänischen Fahrer*innen die Geschwindigkeitsvorschriften übertreten!

Schließlich kommen wir auf ein Stück der neuen Autobahn und somit zügig voran, bis google maps uns über eine Strecke ab Dumitresti führt, die kurviger, schmaler, steiler und zerfahrener nicht hätte sein können. Es ist eine Achterbahnfahrt! Etwa vier Stunden benötigen wir mit Biene für die letzten 42 Kilometer – gut, dass der OMAN 4×4 hat! Bei Buda übernachten wir und fahren die letzten 25 Kilometer am nächsten Tag im Schneckentempo über die DC98. Da es wieder in die Südostkarpaten geht, sind die Aus- und Ansichten allerdings grandios!

Am späten Vormittag kommen wir schließlich auf dem Parkplatz nahe der Schlammvulkane bei Berca an. Es sind einige Touristen außer uns hier, diese verteilen sich jedoch auf die Restauration und im Gelände.

Eine bizarre Szenerie tut sich auf: Abrupt verändert sich ein Teil der Landschaft in eine grau-lehmige, nahezu pflanzenlose Wüste mit einzelnen Hügeln. Die Fläche wird von tiefen Gräben zerfurcht oder von feuchten oder angetrockneten Lehmspuren durchzogen.

In kreisförmigen Schlammkratern, winzig kleinen mit einem Durchmesser von 10 cm und großen mit 150cm Durchmesser, blubbern Schlammblasen auf, kündigen sich mit einem Gurgeln an und zerplatzen dann wie große Seifenblasen an der Oberfläche.

Die Schlammvulkane von Berca blubbern vor Allem Methan, das sich mit Wasser und Tonbrei aus großer Tiefe vermischt hat, an die Oberfläche. Dieser Brei fühlt sich kalt an, weil keine glühende Magma, sondern unterirdischer Druck den Schlamm aufwärts presst. Auf dem europäischen Festland ist dies ein einzigartiges Phänomen, und ich kann mich nicht satt sehen am Aufsteigen, Blubbern und Überlaufen des Tonbreis.

Schließlich trennen wir uns von diesem einmaligen Schauspiel. Noch 180 Kilometer langweilige Kilometer durch die völlig platte und fast baumlose Walachei sind es bis zur Grenze nach Bulgarien, und noch einmal übernachten wir im Freisteherparadies Rumänien auf weitem Feld vor einer Blauglockenbaum-Plantage.

Am nächsten Vormittag, dem 4. Oktober, befahren wir bei Călăraşi die Fähre und setzen über die Donau nach Silistra in Bulgarien über.

Kleines Fazit

Rumänien ist ein hochinteressantes Land mit unglaublich vielen kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten, mit wunderschönen Städten und einer begeisternden Natur. Besonders gefallen haben mir die riesigen Laubwälder und die Tatsache, dass ich völlig neue Formen von Bauwerken kennen lernen durfte, und damit meine ich nicht nur die Sakralbauten, sondern auch die Profanbauten wie auch die Wohnhäuser in den unterschiedlichen Bezirken.

Obwohl man denken könnte, bei so vielen Wäldern und Bergen und einer relativ geringen Bevölkerungszahl pro Quadratkilometer sind viele Gegenden unbewohnt, schien uns dies nicht so. Vielmehr hatten wir oft den Eindruck, ein Straßendorf reiht sich ans nächste. Schlafplätze ohne Hundegebell waren deswegen oft nicht einfach zu finden – wenn, waren sie aber meistens kostenlos.

Die Kosten für Lebensmittel und auch die Dieselpreise sind ähnlich hoch wie in Deutschland, wobei ein durchschnittliches rumänisches Nettogehalt bei etwa 1500€ liegt. Gärten mit Gemüseanbau und Kleintierviehzucht sind deshalb in ländlicheren, aber auch vorstädtischen Gebieten unabdingbar.

Vielfach wurden schon die Verkehrsbedingungen für Radfahrer*innen angesprochen. Das Radfahren in Rumänien ist lebensgefährlich oder unmöglich, aber auch das bereits beschriebene Verhalten beim Autofahren hat mich bis zum letzten Tag fassungslos gemacht. So wird auch für Notarztwagen mit Blinklicht kein Platz gemacht, sodass diese andere Verkehrsteilnehmer fast in den Straßengraben drängen (müssen). Auch in den Geschäften oder Warteschlangen haben es die Menschen unglaublich eilig und drängeln hektisch, niemand lässt eine Person mit wenig „Gepäck“ vor.

In Rumänien haben wir die schlechtesten Internet- Verbindungen aller bisherigen Reisen gehabt. Das Netz scheint in vielen Gebieten noch nicht ausgebaut zu sein, selbst in Deutschland gibt es (meistens) eine bessere Internetverbindung.

Positiv überrascht hat mich, dass die Polizei nahezu nicht präsent ist und ich mich trotzdem (oder deshalb?) stets sicher gefühlt habe. Roma- Wohnsiedlungen sollte man allerdings meiden, hier sind Touristen überhaupt nicht gern gesehen.

Müll, insbesondere Plastikmüll, liegt nur wenig herum. Erstaunt hat mich, dass man rumänische Weinflaschen gegen Pfand erhält und zurückgeben kann. Die Mülltrennung funktioniert mal mehr, mal weniger gut. Lediglich das Herumliegenlassen von Toilettenpapier mit den dazugehörigen Hinterlassenschaften an jedem kleineren und größeren Rastplatz, selbst mitten im Wald, hat mich besonders gestört.

Noch ein Wort zu den Menschen:

Wir hatten in Rumänien wenig Kontakte, lediglich die Siebenbürgener Sachsen ließen sich gerne auf ein Gespräch ein. Vielleicht lag es an der schwierigen Verständigung mit den Rumänen, jedenfalls haben wir die Menschen als nicht unfreundlich, aber, bis auf wenige Ausnahmen, zurückhaltend erlebt.